Jennifer Oeser : "Olympia: die Erfüllung eines Kindheitstraums"

Jennifer Oeser. Foto: Mormann
Jennifer Oeser. Foto: Mormann

Rund 60 deutsche Leichtathleten treten in Peking an. Jennifer Oeser ist eine von ihnen. Sie wurde in Brunsbüttel geboren und spricht im Interview über die Erfüllung ihres Kindheitstraumes.

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08. August 2008, 06:53 Uhr

Ihre Wurzeln hat sie in Schleswig-Holstein, ihren Lebensmittelpunkt jetzt aber schon seit einiger Zeit in Nordrhein-Westfalen: Die Leichtathletin Jennifer Oeser, gebürtige Brunsbüttelerin, lebt und trainiert in Leverkusen. Im Siebenkampf tritt sie bei den Olympischen Spielen in Peking an. Unser Mitarbeiter Hauke Mormann hat die 24-Jährige kurz vor ihrer Abreise nach Asien in ihrer Heimatstadt im Kreis Dithmarschen getroffen.
Frau Oeser, was ist es für ein Gefühl, bei Olympia dabei zu sein?
Zunächst geht ein Kindheitstraum in Erfüllung. Es ist für jeden Sportler der Traum, einmal oder sogar mehrmals bei den Olympischen Spielen mitzumachen. Dabei sein ist zunächst mal alles und ich werde sehen, was dabei heraus kommt.
Wie viele Leichtathleten aus Deutschland treten in Peking an?
Wir sind 62 oder 63.
Wie haben Sie ihre Liebe zur Leichtathletik entdeckt?
Ich habe mit fünf Jahren angefangen. Es war nichts Spektakuläres, damals haben alle in Brunsbüttel Leichtathletik gemacht. Aber ich bin die einzige, die den Sport zum Beruf gemacht hat und damit erfolgreich ist.
Zurück zu den Spielen. Wie bereitet man sich auf so ein Event vor?
Eigentlich nicht anders, als die anderen Jahre auch. Wir haben jetzt nach der Qualifikation ganz normal weiter trainiert, waren im Trainingslager. Zunächst geht es dann nach Japan, wo wir uns erstmal an die Zeitumstellung gewöhnen, und am 11. August geht’s weiter nach Peking.
Was sagen Sie als Sportlerin zum Thema Doping?
Das ist ein sehr großes Thema, da kann man ganz weit ausholen. Mein Standpunkt: Es gibt Kontrollen und alle, die erwischt werden, werden erwischt.

Macht es einen Sportler nicht wütend, wenn man sich selbst anstrengt und dann mitbekommt, dass ein Gegner aufgeputscht war?
Ohne Frage. Aber vieles drum herum macht einen auch wütend. Es fängt schon bei den Kontrollsystemen an. Deutschland hat ein viel strengeres Kontrollsystem als andere Länder. Da gibt es große Unterschiede. Wenn man es schafft, das auf einen Level zu bringen, sind wir einen großen Schritt weiter. Man sollte beim Wettkampf einfach nicht darüber nachdenken, denn man kann es niemandem nachweisen, der nicht erwischt wird. Ich möchte auch nicht, dass bei mir gesagt wird "Was hat sie genommen?", wenn ich eine Bestleistung gebracht habe. Es gibt Athleten, die alles geben und sich steigern. Ihnen dann zu unterstellen, Doping genommen zu haben, ist auch gemein.
Geben Sie eine Prognose ab, wie Sie in Peking abschneiden werden?
Nein. Das mag ich nicht und kann es auch nicht. Wir liegen dieses Jahr alle so eng beieinander, es gibt keine klare Favoritin. Die ersten zehn Plätze liegen so eng beieinander, das man ganz schnell weit vorne oder weit hinten liegen kann. Ich möchte einfach für mich einen guten Wettkampf machen und dann bin ich zufrieden.
Wie halten Sie aus Asien Kontakt zu Ihrer Familie?
In Japan kann ich noch über das Internet telefonieren. Wie es in China ablaufen wird, weiß ich nicht. Aber ich gehe mal davon aus, dass ich ein Festnetztelefon auftreiben kann, um mich anrufen zu lassen.
Werden Sie auch Zeit für Sightseeing haben?
Ja, die Leichtathletikwettbewerbe beginnen erst in der zweiten Woche, ich bin auch direkt am 15. und 16. August dran, da hab ich vorher und nachher noch genügend Zeit, mir Peking anzuschauen. Darauf freue ich mich sehr.
Und was machen Sie nach Olympia?
Urlaub! Danach ist für mich die Saison beendet. Da werde ich sicherlich nach Brunsbüttel kommen, entspannen, die Knochen regenerieren und dann geht’s im Herbst wieder weiter.

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