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Mehr Fleisch aus Dänemark : Öko-Kaninchen: Dänischer Bauernverband hat den Braten gerochen

vom
Aus der Onlineredaktion

Chinesische Kaninchen aus Käfighaltung sind keine Seltenheit auf dänischen Tellern. In Zukunft sollen die Tiere vermehrt aus heimischer Öko-Produktion kommen: Zugunsten von Verbrauchern, Tieren und Bauern.

Kopenhagen | Kurz vor Ostern soll ein neues Pilotprojekt des dänischen Landwirtschafts- und Nahrungsmittelverbandes L&F in die Wege leiten, dass in Dänemark mehr Öko-Kaninchen aus heimischer Produktion verspeist werden. Erklärtes Ziel der Initiative ist es, dass weniger Fernimporte aus Käfighaltung auf dem Küchentisch landen. Und den Bauern könnte die auch zu Gute kommen.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Konkurse in der dänischen Landwirtschaft um 50 Prozent gestiegen. Exportmärkte sind weggebrochen und die Preise gepurzelt. Dass die Bauern am Markt vorbei produzieren, soll sich durch die Kaninchen-Offensive ändern.

Zu den ersten Abnehmern – das berichtet das Branchenblatt Food Culture – sollen die Hotel- und Restaurantschule in Kopenhagen sowie das Michelin-Stern gekrönte Hauptstadt-Restaurant Relæ gehören.

Während die konventionelle Landwirtschaft in Dänemark und Deutschland sowohl in der Schweinemast als auch im Milchviehbereich schwer unter niedrigen Preisen leidet, steigt die Nachfrage nach Bio-Produkten in DK doppelt so schnell wie das Angebot. Die Umstellung auf Bio erfordert jedoch ein Umdenken und viel Zeit und Geld. Mit der Kaninchenmast könnte der erste Schritt zu der von vielen Stimmen geforderte Diversifikation der Produktion einschließlich Bio-Standards erleichtert werden.

Die Produktion von Kaninchenfleisch hat in Dänemark zwar eine lange Tradition als Nebenerwerb, ist jedoch im Zuge der Spezialisierung immer weiter in den Hintergrund getreten. So sehr, dass es heute fast unmöglich ist, dänisches Kaninchenfleisch zu kaufen. Stattdessen werden vor allem aus Frankreich Tiere importiert, die laut L&F in „äußerst bescheidenen“ Platzverhältnissen aufgezogen werden. Teils werden sogar Kaninchen ganz aus China importiert.

Dabei sind Kaninchen optimale Öko-Tiere, meint L&F-Berater Lars Holdensen. Sie würden gut in die häufig breit gefächerten Landwirtschaften passen. Und: Besonders bei den ökologisch interessierten Kunden „gibt es ein Interesse für spezielle Produkte und neue Lebensmittel, wir glauben also, dass das der richtige Ort ist, Kaninchen einzuführen“. Zudem sei die Zucht nachhaltig und das Fleisch gesund.

Die ersten Testbetriebe sind im März mit Kaninchen versorgt worden, Die Erfahrungswerte sind gering, weshalb das Pilotprojekt auch als Laboratorium funktioniert. Der Verband der dänischen Kaninchenzüchter wird beratend zur Seite stehen – wenn womöglich auch mit gemischten Gefühlen. Die Sektion Fleisch-und Fellproduktion des Verbandes habe seit Jahren vor sich hingeschlafen, berichtet der Vorsitzende Carsten Philipsen.

Nach Schätzungen der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (DAO) mästeten deutsche Erzeuger 2011 etwa 14 Millionen Kaninchen, 60 Prozent entfallen laut der Organisation „Vier Pfoten“ auf Hobby-Halter.

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erstellt am 23.Mär.2016 | 12:12 Uhr

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