Bad Segeberg : Noroviren: Großalarm im Jugendcamp

Großalarm: Nacheinander und unter Sicherheitsvorkehrungen behandelten die Helfer die erkrankten Camp-Teilnehmer. Foto: Krüger
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Großalarm: Nacheinander und unter Sicherheitsvorkehrungen behandelten die Helfer die erkrankten Camp-Teilnehmer. Foto: Krüger

Übelkeit, Erbrechen, Durchfall: 300 Jugendliche in einem Zeltlager bei Bad Segeberg litten plötzlich an einer Magen-Darm-Krankheit. Noroviren wurden als Auslöser nachgewiesen.

shz.de von
11. Juli 2011, 10:43 Uhr

Sie wollten gemeinsam Spaß haben, ihre Erfahrungen austauschen, sich gegenseitig motivieren, doch dann fand das Diabetiker-Zeltlager ein dramatisches Ende. Rund 300 Teilnehmer des Camps haben sich mit dem Norovirus angesteckt.
"Wir haben keinen Zweifel daran", sagte der Amtsarzt im Kreis Segeberg, Boris Friege, am Montag. Das hoch ansteckende Norovirus wurde bereits am Sonntag bei vier Patienten nachgewiesen.
Dicht an dicht reihen sich die blauen Zelte aneinander, Hilfskräfte mit Mundschutz und Handschuhen laufen in der Zeltstadt umher, laden Koffer und Reisetaschen auf Golf-Buggies. Sie wollen nicht mit möglichen Keimen in Berührung kommen, zu groß ist die Ansteckungsgefahr. Mindestens 143 Teilnehmer des Zeltlagers "Camp D" wurden nach Angaben des Camp-Notarztes Franz-Rudolf Fendler ins Krankenhaus gebracht.

Vier Fälle von Noroviren-Infektion nachgewiesen
Insgesamt mussten rund 300 Teilnehmer medizinisch versorgt werden, sagte die Landrätin von Bad Segeberg, Jutta Hartwieg, am Sonntag. Als Ursache der Brechdurchfälle kam direkt das hoch ansteckende Norovirus in Betracht.
Lebensgefahr bestehe jedoch für keinen der Erkrankten, sagte Oliver Grieve, Pressesprecher des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. "Die Lage ist im Griff", versicherte er. "Die Ärzte gehen davon aus, dass die Beschwerden in spätestens zwei Tagen wieder abklingen werden."
Die ersten Jugendlichen hatten nach einer Sportveranstaltung am Nachmittag über Übelkeit, Erbrechen und Durchfall geklagt. Rettungskräfte aus den Kreisen Segeberg, Pinneberg, Steinburg, Dithmarschen und Stormarn waren im Einsatz, um die Jugendlichen im Camp zu versorgen; die Hamburger Feuerwehr rückte mit ihrem Großraumrettungswagen an.

Fälle stiegen am Sonntag rasant an
Die Zahl der an Brechdurchfällen erkrankten Jugendlichen stieg bis Sonntag rasant an. "Erst waren es 40, dann 60, bis Sonntag mussten die Notärzte rund 300 Teilnehmer versorgen", berichtete Hartwieg. Die hohe Zahl an plötzlich Erkrankten stellte die Einsatzkräfte vor eine logistische Herausforderung. Bis zur Auflösung des Camps am Sonntagmittag wurden die 143 betroffenen Teilnehmer auf etwa 20 Kliniken in ganz Schleswig-Holstein und Hamburg verteilt. Einige konnten die Kliniken nach der medizinischen Erstbehandlung aber wieder verlassen.
Das Diabetiker-Zeltlager war von den beiden Pharmaunternehmen Bayer und Novo Nordisk ausgerichtet worden. Rund 700 Jugendliche und junge Erwachsene aus ganz Deutschland nahmen teil, darunter nach Angaben des Camp-Arztes 601 Patienten mit Typ 1 Diabetes. Vier Tage lang wollten sich die Teilnehmer über Erfahrungen mit Diabetes austauschen, sich gegenseitig motivieren und eine schöne Zeit verbringen. Dazu wurde auch eine Reihe von Workshops angeboten.

Hotline für Angehörige
Für Angehörige von Erkrankten des Diabetiker-Camps in Bad Segeberg ist eine Hotline geschaltet worden. Betroffene können unter 0170/6311627 fragen, in welchem Krankenhaus ihre Angehörigen behandelt werden, teilte die Landrätin des Kreises Segeberg, Jutta Hartwieg, am Sonntag mit.


(rtn, pwü, dpa, jk, shz)
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