Aus Gesundheitsgründen : Niederlande: Aldi und Lidl stoppen Verkauf von Energydrinks an Kinder

Viele Gesundheitsexperten sprechen sich für ein Abgabeverbot von Energydrinks an Kinder und Jugendliche aus. V Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Viele Gesundheitsexperten sprechen sich für ein Abgabeverbot von Energydrinks an Kinder und Jugendliche aus. V Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Die deutschen Supermarktdiscounter Aldi und Lidl werden in den Niederlanden keine Energydrinks mehr an Kinder verkaufen. In Deutschland sind Altersbegrenzungen aber nicht geplant.

shz.de von
04. Juli 2018, 18:40 Uhr

Osnabrück | Ab 1. Oktober dürften Kinder unter 14 Jahren die umstrittenen Getränke in den Niederlanden nicht mehr kaufen, teilte Aldi mit. Bei der SPD-Gesundheitspolitikerin Ursula Schulte stößt diese Entscheidung auf Unverständnis. Wegen ihres hohen Gehalts an Koffein und Zucker gelten Energydrinks als ungesund. Experten der Weltgesundheitsorganisation WHO empfehlen schon länger, den Verkauf an Kinder und Jugendliche einzuschränken. Die Getränke werden mit Herzrhythmusstörungen, Krampfanfällen, Nierenversagen und sogar Todesfällen in Verbindung gebracht.

„Es ist grundsätzlich nicht nachvollziehbar, warum der Lebensmitteleinzelhandel auf Märkten in Europa Energydrinks für Kinder und Jugendliche aus dem Sortiment nimmt, sie aber auf dem deutschen Markt belässt“, kritisierte Schulte am Mittwoch die Entscheidung von Aldi und Lidl in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Die Zielrichtung müsse sein, Kinder und Jugendliche zu schützen. „Deshalb sollte der Lebensmitteleinzelhandel eine Strategie für den gesamteuropäischen Markt finden und nicht einzelne, nationale Märkte präferieren“, betonte die SPD-Politikerin. In einem ersten Schritt sprach sie sich für die Umsetzung einer Studie für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 20 Jahren aus, da diese Altersgruppe dauerhaft hohe Mengen von Energydrinks und Energy-Produkte konsumiere.

Zunehmende Sorge

Der Discounter Aldi begründete den Schritt mit zunehmenden Sorgen in der Gesellschaft: „Indem wir Energydrinks nicht mehr an Kinder verkaufen, stimulieren wir sie, eine gesündere Wahl zu treffen.“ Eine Lidl-Sprecherin bezeichnet die Altersbegrenzung in den Niederlanden als ersten Schritt. Möglicherweise werde das Mindestalter dort noch erhöht.

Als weltweit erstes Land hatte Litauen bereits Ende 2014 ein Abgabeverbot von Energydrinks in Kraft gesetzt. Lettland folgte 2016. Und seit Anfang März dürfen Aldi und Lidl in ihren britischen Filialen keine Energydrinks mehr an Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren verkaufen.

Initiative von Kinderärzten

Die Einführung der Altersbegrenzung in den Niederlanden geht unter anderem auf eine Initiative heimischer Kinderärzte zurück. Ihr Verband hatte Anfang des Jahres ein Verbot der Energiegetränke für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren gefordert. Das Gesundheitsministerium hatte sich zwar dagegen ausgesprochen, gleichzeitig aber Schulen, Sportvereine und Unternehmen zu Maßnahmen aufgerufen. Die Ernährungsbehörde in den Niederlanden empfiehlt nun, dass Kinder bis 14 Jahre die Energiegetränke nicht trinken sollten. Viele Schulen haben die Drinks deshalb bereits aus den Kantinen entfernt.

Die Getränke sind besonders bei Jugendlichen sehr beliebt: 73 Prozent der 15- bis 18-Jährigen und 53 Prozent der 18- bis 29-Jährigen konsumieren sie regelmäßig, im Durchschnitt zwei Liter pro Monat. Hochverzehrer sind besonders gefährdet, die oben genannten Nebenwirkungen zu erleiden.

Bei Jugendlichen sehr beliebt

Jugendliche nehmen durch Energydrinks hohe Mengen an Koffein zu sich. 250 Milliliter eines Energydrinks, eine handelsübliche Packungsgröße, enthalten etwa 80 Milligramm Koffein. Wissenschaftliche Studien empfehlen als Höchstdosis auch für Kinder und Jugendliche drei Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht. Ein Teenie mit 50 Kilogramm Körpergewicht überschreitet nach dieser Rechnung schon mit zwei kleinen Dosen eines Energydrinks diese Grenze.

Zudem gelten die Drinks als Zuckerbomben und sind allein deshalb nicht gesund.

Während die deutsche Ernährungsministerin Julia Klöckner ein Verkaufsverbot ablehnt, hat die Direktorin einer Realschule in Hagen bereits vor fünf Jahren Konsequenzen gezogen. Als sie immer wieder feststellte, dass sich die Schüler der fünften und sechsten Klassen „hibbelig wie ein Flummiball“ verhielten, sprach sie kurzerhand ein Verbot für Energydrinks aus.

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