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Neuer Browser in Windows 10 : Zum Tod des Internet Explorers: Oft kopiert, immer übertroffen

vom
Aus der Onlineredaktion

Mit dem neuen Betriebssystem Windows 10 verzichtet Microsoft offenbar auf den Internet Explorer. Es ist ein stillter Tod nach 20 Jahren Forschungsreise.

shz.de von
erstellt am 18.Mär.2015 | 14:42 Uhr

Redmond/Shenzhen | Microsoft hatte es in der Vergangenheit immer wieder angedeutet. Der Internet Explorer wird im neuen Betriebssystem wohl keine Rolle mehr spielen. Wie das amerikanische Technikmagazin „The Verge“ in dieser Woche berichtete, habe der Software-Hersteller bestätigt, dass der neue Browser nicht mit dem Markennamen Internet Explorer veröffentlicht werde. Chris Capossela, Marketing-Chef bei Microsoft, sagte, dass derzeit an einem neuen Namen gefeilt werde. Das Browser-Projekt „Spartan“ werde den Internet Explorer zwar nicht vollständig ablösen, das Unternehmen will jedoch einen neuen Weg einschlagen. „Spartan“ werde zahlreiche neue Funktionen haben und deshalb auch einen neuen Namen bekommen werde, bestätigte Microsoft-Manager Oliver Gürtler.

Der Internet Explorer wird auch weiterhin in einigen Unternehmens-Versionen von Windows 10 zu finden sein, mit dem neuen Browser soll aber primär im Netz gesurft werden. Sein neues Betriebssystem Windows 10 will Microsoft im Sommer auf den Markt bringen. Der zuständige Manager Terry Myerson nannte in einem Blog-Eintrag aber kein konkretes Datum. Mit dem Betriebssystem soll Microsoft nach eigenen Willen ein großer Sprung in eine neue Generation von Geräten gelingen. Die digitale Sprachassistentin Cortana werde ein Highlight sein, sagte Gürtler. Cortana werde weit über die Fähigkeiten der einfachen Sprachsteuerung hinausgehen. Als selbstlernendes System soll es umfangreiche Assistenzaufgaben erledigen können und soll auch wesentlicher Bestandteil des neuen Browsers von Microsoft werden.

Jahrelang hatte Microsoft vergeblich versucht, das schlechte Image des Internet Explorers zu verbessern. Insbesondere der Internet Explorer 6 haftet dem Unternehmen bis heute negativ an. Die Version erschien im Jahr 2001 und sollte viele Verbesserungen zum Vorgänger bringen und brachte in erster Linie gravierende Sicherheitslücken. Der Version 6 fehlte zusätzlich das Browsen in Tabs, es gab häufige Abstürze und Fehlermeldungen. Am Ende mangelte es auch an Kompatibilität des Browsers bezüglich einiger Webstandards. Bei vielen Web-Entwicklern hatte der Browser daher einen schlechten Ruf. Zur CeBIT 2011 startete Microsoft selbst die Aktion „IE 6 Countdown“, um die Anwender auf den Umstieg auf eine neuere Version zu bewegen. In den jüngsten Jahren verlor der IE gegenüber Firefox und Googles Chrome an Boden. Sowohl in Geschwindigkeit, Sicherheit, Stabilität und Erweiterbarkeit sind die Browser dem Internet Explorer lange zu überlegen gewesen. Im Internet machen sich viele über den Microsoft Browser lustig.

Dass der Internet Explorer nicht der schnellste ist, wird in diesem „Meme“ deutlich.
Dass der Internet Explorer nicht der schnellste ist, wird in diesem „Meme“ deutlich. Foto: imgur.com

Nach Informationen des Internetportals browser-statistik.de ist der Internet Explorer in Deutschland nur noch wenig gefragt. Im März 2015 nutzten gerade einmal noch 11,2 Prozent der Bundesbürger den Microsoft-Browser. Beliebter sind Firefox (29 Prozent), Chrome (24,9) und Safari (24,5). Nur Opera ist mit 1,6 Prozent Marktanteil noch weniger verbreitet. Laut statista.de nutzten im Januar 2015 noch 17,2 Prozent den Internet Explorer. Unangefochten ist Firefox mit 40,8 Prozent Marktanteil, gefolgt von Chrome mit knapp 26 Prozent. Weltweit sieht die Verteilung nicht anders aus.

Marktanteile von über 80 Prozent, das war einmal. In den 1990er Jahren hatte der Internet Explorer lange Zeit eine unangefochtene Marktposition. Doch die zahlreichen Probleme und immer wiederkehrenden Sicherheitslücken zogen den Zorn der Nutzer auf sich. Jetzt lässt Microsoft den einstigen Pionier sterben. Der neue Browser mit dem Decknamen „Spartan“ soll künftig aufgeräumter, schlanker und schneller sein, als sein Vorgänger. Sowohl für PC als auch Smartphone entwickelt, wird die Oberfläche zahlreiche Social-Media-Funktionen bieten.

Für das Smartphone-Geschäft gab Microsoft auf der Entwicklermesse WinHEC im chinesischen Shenzen eine Partnerschaft mit Lenovo bekannt. Im Sommer werde der chinesische PC-Hersteller Smartphones mit Microsofts Windows auf den Markt bringen. Unklar blieb, ob dabei das aktuelle Windows Phone oder das neue System Windows 10 zum Einsatz kommen soll. Im Geschäft mit Smartphones hatte Microsoft mit seinen Betriebssystemen bislang nur mäßigen Erfolg. Was noch fehlt ist ein neuer Name für den Super Browser.

Im Internet begegenet man der Beerdigung des Browsers mit Zustimmung.

Am Ende geht mit dem Internet Explorer auch ein Stück Geschichte, findet dieser Twitterer.

(mit dpa)

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