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Dreyklufts Netzwelt : Zuckerbergs bittere Indien-Niederlage

vom

Die Inder wollen kein Mini-Internet von Facebooks Gnaden. Das ist eine sehr gute Entscheidung, meint unser Kolumnist.

von
erstellt am 09.Feb.2016 | 17:55 Uhr

Die Meldung klingt weit weg, ist aber dennoch wichtig: Indische Behörden haben am Montag Facebook ein Online-Angebot namens „Free Basics“ untersagt. (Hier das Gesetz im Original als PDF*).

Mark Zuckerberg wollte damit armen Indern ein kostenloses Angebot für einen von ihm definierten Teil des Internets machen. Neben Facebook selbst sollte damit ein kostenloser Zugang zu von Facebook ausgewählten Diensten geschaffen werden. Das Verbot ist eine gute Nachricht.

Warum? Facebook verfolgt seit Jahren vor allem in Schwellenländern eine Strategie, nicht Teil des Internets zu sein, sondern den Nutzern zu suggerieren, Facebook sei das Internet. Paradoxerweise heißt diese Intiative „internet.org“ (hier die Website). Umfragen in Südostasien etwa zeigten etwa im vergangenen Jahr seltsame Ergebnisse, zeigt dieser Bericht der Wirtschafts-Website Quartz.

Es gab demnach mehr Menschen, die angaben, Facebook zu nutzen, als Menschen, die angeben, das Internet zu nutzen. Das Facebook nur ein Teil des Internets ist, ist diesen Menschen offenbar gar nicht klar.

Um „Free Basics“ in Indien gegen den dortigen Widerstand einzuführen, sprang Mark Zuckerberg selbst in die Bresche. In einem Gastbeitrag für die „Times of India“ erzählte er die rührende Geschichte vom Bauern Ganesh, dem es dank „Free Basics“ nun besser geht.

We just took another step towards connecting India. As of today, everyone in India nationwide can access free internet...

Posted by Mark Zuckerberg on  Montag, 23. November 2015

Zuckerberg führt außerdem den Vergleich an, sein Internetchen sei wie eine kostenlose  Leihbibliothek, die ja auch nicht alle Bücher der Welt haben kann. Falsch. Zuckerbergs Internetchen ist wie eine Bibliothek, die alle Bücher der Welt hat, die Armen aber nur ins Facebook-Zimmer lässt.

Das echte Internet ist ein Ort, wo jeder alle weltweit verfügbare Information abrufen kann. Ein Ort, wo jeder seinen Blog gründen kann und seine Gedanken mitteilen kann. Im echten Internet ist das kleinste Start-up so erreichbar wie Facebook. Das echte Internet ist ein Ort von Freiheit und Gleichheit.

Internet.org ist ein Internetchen von Zuckerbergs Gnaden. Gut, dass die Inder, mögen viele von ihnen auch arm sein, sich nicht für dumm verkaufen lassen.

* Das Gesetz erwähnt Facebook nicht explizit, sondern richtet sich allgemein gegen Internet-Angebote, die Zugänge diskrminieren. Anlass war aber Facebooks „Free Basics“.

 

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