zur Navigation springen

Nagars Netzwelt : Zu wählerisch für das Nichts

vom

Der Weg vom Gefällt-Mir-Klick zum Wahl-Kreuzchen ist ein weiter, meint Kolumnistin Mira Nagar zur Europawahl.

Nach jeder Wahl ist in den Netzwerken eine Mischung aus Wundenlecken und Häme zu beobachten – wegen der  Nichtwähler. Dabei kursieren schon vor der Wahl Versuche, auch den letzten medial sedierten Schluffi vom Sofa zu locken, den kiebigsten Skeptiker von der Sinnhaftigkeit einer Mitmach-Demokratie zu überzeugen. Für den Grimme-Online-Award ist ein solcher Versuch nominiert. Wahllos.de schaute  – vor der Bundestagswahl – multimedial auf  Prototypen der Nichtwähler. Den Frustrierten, die Gelangweilte, den Träumer. Alles aus der Sicht einer Erstwählerin. Ob diese Nabelschau der Stimm-Verweigerer ein Kreuzchen mehr zur Folge hatte, ist unklar. Pathetisch genug war der Rundumschlag allemal.

Weniger sentimental geht Dänemark an die Sache ran. Ein Comic-Held namens Voteman, eine Mischung aus Klischee-Wikinger und Hells Angel-Türsteher, machte sich im Video auf zwei Delfinen reitend dazu auf, das  Königreich zur Europawahl zu motivieren. Mit Tritten und Schlägen. Das derbe Video wurde nach  kritischen Stimmen  entfernt. Eine bessere Möglichkeit, es zu verbreiten, gibt es nicht: Jetzt geistern Kopien  durch die Kanäle und haben mehr als 1,5 Millionen Klicks bei Youtube eingeheimst. Der Übergang von Voteman zu Steinmeier kann an dieser Stelle nur hinken. Doch soviel sei erlaubt: Auch der SPD-Politiker hat mit einem motivierten Video ein immerhin sechsstelliges Youtube-Klickergebnis erzielt.  

Doch dass sich ein Netz-Erfolg auch auf eine Wahl übertragen lässt, ist unwahrscheinlich. Viele Nutzer sind so wählerisch, dass sie das Nichts wählen. Warum sich so viele Menschen mit dem Thema beschäftigen, doch der Weg vom Gefällt-Mir-Klick zum Wahl-Kreuzchen ein so weiter ist – diese Frage bleibt offen.

 

zur Startseite

von
erstellt am 23.Mai.2014 | 04:00 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen