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Humanoide Roboter : „Zora“ arbeitet in der Kinderklinik des UKSH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Roboter soll seine kleinen Patienten nicht nur aufmuntern, sondern ihnen auch bei Übungen helfen.

shz.de von
erstellt am 14.Jul.2017 | 19:43 Uhr

Kiel | „Man verliebt sich ganz einfach in sie“, sagt Stefanie Fimm und blickt dabei fast liebevoll herab zur kleinen Zora. Diese antwortet auf ihre Weise – mit blinkenden Augen. Denn Zora ist keineswegs ein Mensch oder Tier. Sie ist einer von zwei Robotern am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel und damit der erste humanoide – also menschenähnliche – Roboter in einer deutschen Kinderklinik. Künftig soll Zora im UKSH Kiel und später auch Lübeck unter anderem dabei helfen, den kleinsten Patienten ein Lächeln zurück ins Gesicht zu zaubern.

Prof. Dr. Jens Scholz, Vorstandsvorsitzender des UKSH, erklärte bei der gestrigen Vorstellung Zoras: „Die Digitalisierung bietet großartige Möglichkeiten für Innovationen in der Medizin.“ Das UKSH wolle, so Scholz, eine Vorreiterrolle einnehmen und gezielt hochmoderne Technik zum Wohl der Patienten einsetzen.

Diese moderne Technik ist 59 Zentimeter groß, vier Kilogramm schwer und ein Tanzprofi – das stellte der Roboter bei der gestrigen Präsentation am UKSH Kiel mit der Darbietung des Gangnam-Style unter Beweis. Gemeinsam mit Stefanie Fimm, Leitende Physiotherapeutin am UKSH, und Klinikclown Dr. med. Wurst wird Zora künftig auf den Klinik-Stationen in verschiedenen Bereichen für Unterstützung sorgen. Welche das konkret sein wird, steht bisher noch nicht fest, verdeutlichte Stefanie Fimm: „Wir müssen erst einmal gucken, was Zora kann und welche Patientengruppen für sie infrage kommen.“

Eines steht aber jetzt schon fest: Primäres Ziel des kleinen Helfers ist nicht nur, für Aufmunterung bei den jungen Patienten zu sorgen, sondern diese auch etwa bei therapeutischen Übungen zu unterstützen und zu begleiten. Neben der Kinderstation ist auch die Geriatrie mit Älteren und Demenzpatienten als Einsatzort für Zora denkbar, sagte Stefanie Fimm: „Es ist eine nette Interaktion mit ihr und man fängt schnell an, sie zu mögen.“ Prof. Dr. Ulrich Stephani, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, hat weitere Ideen: „Zora kann Patienten daran erinnern, Tabletten oder Flüssigkeit zu sich zu nehmen.“ Zudem könne der Roboter neue Zugänge im Falle von Kommunikationsproblemen eröffnen, etwa im Umgang mit Menschen mit autistischen Zügen oder aber den zahlreichen Flüchtlingskindern, so Stephani. So könne Zora mit der entsprechenden Software als Übersetzer dienen.

Wie ein Computer kann das Tätigkeitsfeld des humanoiden Roboters durch die Installation entsprechender Programme erweitert werden. Aktuell verfügt er über 20 Sprachmodule und etwa 30 Übungen zur physiotherapeutischen Unterstützung. „Wir sind jetzt in der Startphase. Es gibt viele Dinge, die wir ausprobieren müssen“, betonte Ulrich Stephani. Bei einer Sache ist er sich aber ganz sicher: „Wenn die Resonanz am UKSH positiv ist, werden sich alle um Zora reißen.“

Der möglichen Befürchtung, die beiden Roboter könnten den Menschen ersetzen, hält der Direktor der Kinderklinik entgegen: „ Das ist absurd. Wir haben einen erheblichen Pflegenotstand mit mehr offenen Stellen als wir besetzen können. Außerdem ist die menschliche Zuwendung nicht ersetzbar.“

Die wesentliche Finanzierung der beiden Roboter hatte mit 35.700 Euro die UKSH Förderstiftung übernommen. Michael Schütz aus dem Stiftungsvorstand: „Innovative Projekte wie dieses fördern wir gern, denn Zora zeigt uns, wie technischer Fortschritt in einem modernen Universitätsklinikum funktioniert.“

In den kommenden Wochen wird Zora zunächst Dr. med. Wurst bei der Clownsvisite auf der Kinderstation begleiten und so etwa mit ihrer Darbietung des Gangnam-Styles sicher für das eine oder andere Lachen unter den kleinen Patienten sorgen.

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