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Dreyklufts Netzwelt : Zensur auf Facebook: Warum die CSU nicht naiv ist

vom

Die Christsozialen fordern Vorab-Zensur bei Facebook und Twitter. Darüber sollte man sich nicht lustig machen.

von
erstellt am 05.Jan.2016 | 16:47 Uhr

Bei ihrer Klausur am Mittwoch in Kreuth will die CSU etwas in Sachen Facebook beschließen, das der Partei im Vorfeld eine Menge Spott eingebracht hat. Die Christsozialen fordern, dass Netzwerke wie Facebook oder Twitter schon vor Veröffentlichung extremistische Botschaften löschen sollen.

Der Spott kam daher, dass netzaffine Politiker von SPD und Grünen der CSU unterstellen, sie würde die Funktionsweise des Internets nicht verstehen. Es sei „krass abwegig, überhaupt nicht umsetzbar und getrost unter der Kategorie Populismus zu verbuchen“, meint der grüne Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz aus Mölln (zitiert hier).

nee, ist klar. wenn es nach der CSU ginge, nutzen wir also bald alle Facebook mit einem Zeitverzug von ein paar Stunden,...

Posted by Nico Lumma on  Samstag, 2. Januar 2016

Der Hamburger SPD-Netzaktivist Nico Lumma stellte per Facebook die Frage: „Sieht die CSU hier bereits Artificial Intelligence und Machine Learning am Werk, damit die Facebook Algorithmen selbständig entscheiden können, was wir noch posten dürfen?“

Die Frage von Lumma ist dabei die Antwort auf die implizite Frage von Notz: Nein, es ist technisch nicht abwegig, Facebook per „Künstlicher Intelligenz“ mit einem Zensuralgorithmus zu versehen. Es ist natürlich machbar, Websites mit automatischer Zensur zu versehen, die in dem Sekundenbruchteil zwischen Drücken der Enter-Taste und Erscheinen auf dem Bildschirm entscheidet, ob der Inhalt politisch erwünscht ist oder nicht.  Denn Facebook speichert Inhalte auch heute schon, bevor wir sie posten.

Es ist auch möglich, anschließend, wie es der Antrag für Kreuth fordert, „die Sicherheitsbehörden zwingend zu informieren“. Statt des Hetz-Postings auf Facebook gäbe es dann eine Mail an den Verfassungsschutz. Bei allem Ekel, die rechte Hetzer bei mir in den letzten Monaten ausgelöst haben: Das wäre ein Albtraum.

Terroristen, die morden und bomben, gelingt es, Freiheitsrechte auszuhebeln, weil wir uns ja schützen müssen. Rechten Hetzern im Netz könnte Ähnliches gelingen, würde sich der CSU-Vorstoß durchsetzen. Denn aus Sicht von Sicherheitspolitikern hat er eine innere Logik. Ihn als naiv zu bezeichnen, ist naiv.

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