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Nagars Netzwelt : Zehn Millionen Abonnenten für Vsauce: Das Rätsel um den Klickerfolg

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Wie auf Youtube ein sperriges Nerd-Format die Leute mehr begeistert als Dschungelcamp und Co.

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erstellt am 03.Mär.2016 | 13:55 Uhr

Wenn es um Klickzahlen geht, bin ich ja recht schnell auf der Palme. Allzu offensichtliches Geifern nach dem großen Massenerfolg lässt leider allzu oft gute Ideen stumpf werden und Sachliches polemisch. Und doch freue ich mich, wenn ich den Eindruck habe, dass gute Sachen Erfolge erzielen. Vsauce zum Beispiel, einer meiner Lieblings-Youtuber. Er hat gerade die Marke von zehn Millionen Abonnenten übersprungen. Mit Videos über Wissenschaft. Zum Vergleich: Das Dschungelcamp landet auf Youtube bei knapp 10.000 Abonnenten.

Für alle, die trotz des W-Wortes an dieser Stelle weiter lesen: Für den schnellen Konsum sind Filmchen wie der 14-Minüter bei Vsauce über Peinlichkeit zu lang – hinzu kommt, dass es sich im Gegensatz zum Dschungelcamp eher auf der Metaebene der Peinlichkeit bewegt. An anderer Stelle werden Mathephobiker in „Math Magic“ mit Statistik verscheucht – und doch schauten sich Millionen die Videos von Vsauce an.

Dabei ist Michael aus Kansas, der sich hinter dem Kanal verbirgt, eher ein unscheinbarer Nerd mit Bart, der auf Englisch sein Wissen monologisiert. Zuweilen mit Deutschen Untertiteln. Ein paar Grafiken und Effekte hat er schon auf Lager, aber im Großen und Ganzen sieht man den sprechenden Vsauce.

Was ist es also, das die Leute an den Videos so fesselt? Sicher hilft es, dass Michael begeistert und verständlich über Themen spricht, die sonst so nüchtern und unverständlich erscheinen. Und neben der Wissenschaft taucht auch immer wieder auf, was mindestens genauso faszinierend ist: die Nichtwissenschaft, die Rätsel. Jene Stellen also, an denen es keine Antworten gibt und höchstens Theorien. Zum Beispiel, ob jeder dasselbe Rot sieht.

Ob sich ein solches Format auch im Fernsehen gegen Dschungelcamp und Co durchsetzen kann, wird wohl ebenfalls ein Rätsel bleiben. Selbst die Sender, die sich gebührenbedingt  nicht mit der Dschungel-Quote messen müssen, würden wohl kaum auf die gemütlichen Vorabendkrimiserien verzichten, um jemanden zu zeigen, der über gruselige Zufälle redet, der versucht herzuleiten, ob im Krieg und in der Liebe wirklich alles erlaubt ist, oder fragt, welche Botschaften unsere jetzige Zeit an die Zukunft sendet.

Keine einfachen Antworten, manchmal gar keine Antworten? Dann noch so unschmissige Titel wie „Das Barnach-Tarski Paradox“. Das kann kein Publikumsmagnet sein. Und ist es doch. Paradox, irgendwie.

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