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Musikvideos : Youtube und Co: Weiterrocken im Netz

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Die große Zeit von MTV und Viva ist vorbei: Musikvideos sind aber noch lange nicht tot – sie leben im Internet weiter.

Berlin | Das Musikfernsehen erlebte seine Höhepunkte mit aufwendigen Clips à la Michael Jackson oder Unplugged-Konzerten von Weltstars wie Nirvana. Heute gibt es im TV nur noch wenige davon zu sehen. Musikvideos sind aber noch lange nicht tot – sie leben im Netz weiter.

Auch wenn die große Zeit von MTV und Viva vorbei ist: Musikvideos sind für Plattenfirmen und Musiker nach wie vor wichtig, sagt Andreas Leisdon vom Bundesverband Musikindustrie (BVMI). Denn übers Netz könnten sie sich viral verbreiten und im hohen Maße dazu beitragen, dass Songs und Künstler populär werden. Viele Songs mit spannenden Clips wie „This Too Shall Pass“ von OK Go wurden so zu weltweiten Hits mit vielen Millionen Klicks.

Die gezielte Nutzung viraler Effekte verändert Musikvideos, sagt Prof. Henry Keazor von der Universität Heidelberg. Fans werden mehr und mehr einbezogen, erleben interaktive Videos oder dürfen mit selbst gedrehtem Videomaterial zu Clips beitragen. Zu Pharrell Williams’ Hit „Happy“ nahmen unzählige Menschen weltweit eigene Videos auf. Aufwendige Clip-Werke von Star-Regisseuren wie Spike Jonze werden dagegen immer seltener, beobachtet Kunsthistoriker Keazor, der zu Musikvideos forscht.

Natürlich finden sich viele Musik-Clips auf den altbekannten und beliebten Videoportalen im Netz. Der weltweit größte Anbieter in diesem Bereich ist YouTube. Hier finden sich auch Millionen von Musikvideos, die teils von Plattenfirmen, teils von Fans ohne Genehmigung hochgeladen wurden. Nur YouTube biete Musikern die Möglichkeit, mit Videos über eine Lizenzierung hinaus Geld zu verdienen, sagt Verena Blättermann vom Verband unabhängiger Musikunternehmen (VUT). „So kann nicht nur Aufmerksamkeit, sondern auch Geld mit den Videos generiert werden.“

Doch da sich YouTube und die Verwertungsgesellschaft GEMA nicht über eine Gebühr für urheberrechtlich geschütztes Material einigen können, bleibt der Bildschirm für Nutzer in Deutschland oftmals schwarz, wenn sie ein Video starten wollen. Anders bei der Konkurrenz: MyVideo oder Clipfish sind sich nicht nur mit der GEMA einig geworden, sie haben auch Vereinbarungen mit Plattenfirmen. Gut aufgehoben sind Musikfans bei Portalen, die auf Musikvideos spezialisiert sind, etwa Vevo.com, Putpat.tv oder Tape.tv. Alle bieten einen breiten Katalog von Künstlern.

Das Angebot der Musikvideo-Portale wird hauptsächlich durch Werbung finanziert. Wie einstmals bei MTV und Viva wird also dann und wann ein Werbespot eingeblendet. Einige Portale belohnen Nutzer mit Werbefreiheit, wenn sie Werbung machen: Tape.TV etwa ermöglicht den Nutzern, das Angebot eine Stunde ohne Werbung zu nutzen, wenn sie ein Video in einem sozialen Netzwerk teilen. Alle Anbieter werben damit, ein individuelles, dem persönlichen Geschmack entsprechendes Musikvideo-Programm anbieten zu können.

„Mit der Verschiebung ins Internet hat sich das Musikfernsehen zu einem nicht-linearen Modell entwickelt, in dem der Zuschauer seine eigene Playlist zusammenstellen kann“, erklärt Andreas Leisdon. Der persönliche Geschmack steht also im Vordergrund. Der Nutzer sucht nach seinen Favoriten und bekommt gleichzeitig Vorschläge unterbreitet. Aber auch die starre Clip-Abfolge des traditionellen Musikfernsehens ist nach wie vor zu haben. „Die Formate und Angebote des Musikfernsehens sind nicht verschwunden, sie finden nur woanders statt“, sagt Leisdon.

Einen Überblick über legale Portale für Musik und Musikvideos bieten verschiedene internationale Verbände gemeinsam auf Pro-music.org. Hier finden sich neben bekannteren Streaming-Diensten und Videoportalen auch spezialisierte Angebote von Seiten für Schlager-Videos bis hin zu Seiten für Konzertmitschnitte.

Die weitere Zukunft des Musikvideos sieht Prof. Henry Keazor übrigens auf Smartphones: Nachdem Hörer bereits ihre Lieblingsmusik immer dabei haben können, werde das bei den Videos auch so sein. Und mit einem guten Handy ließen sich auch gleich eigene Clips drehen.

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erstellt am 06.Okt.2014 | 19:35 Uhr

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