STörerhaftung bis illegale Downloads : WLan-Netze sicher teilen – Funken mit Köpfchen

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Ein WLan teilt fast jeder gern, zumindest wenn er seine Mitsurfer kennt. Wer anderen drahtlosen Zugang zu seinem Internetanschluss gewährt, sollte sich aber einige grundlegende Gedanken gemacht haben, um nicht in Schwierigkeiten zu geraten.

shz.de von
28. Mai 2015, 18:50 Uhr

Geht es um private WLan-Netze, gilt seit jeher ein ehernes Gesetz: Das eigene Netzwerk niemals unverschlüsselt lassen. Denn in Deutschland gilt für Privatnutzer die sogenannte Störerhaftung. Begeht ein Nutzer in einem offenen WLan eine Rechtsverletzung, ist der Anschlussinhaber als Störer haftbar, erklärt Niko Härting, auf Internet- und Medienrecht spezialisierter Rechtsanwalt aus Berlin.

Lädt zum Beispiel jemand über ein unverschlüsseltes WLan illegal einen urheberrechtlich geschützten Film herunter, können Abmahnung und Kostenforderungen auf den Anschlussinhaber zukommen. Wird strafbares Material wie kinderpornografische oder volksverhetzende Inhalte über den Anschluss gesendet, kann es richtig unangenehm werden. Denn die Ermittlungen richten sich erstmal gegen den Anschlussinhaber. In solchen Fällen drohen sogar Hausdurchsuchungen.

Aber natürlich können auch bekannte Surfer, die man ins verschlüsselte WLan-Netz eingeladen hat, rechtlich Problematisches anstellen. Wer in dieser Konstellation eine Abmahnung bekommt, muss die Karten auf den Tisch legen: „Jede Person, die das Passwort kennt, muss benannt werden“, erklärt Härting. Danach sei aber der Kläger in der Pflicht. Er müsse beweisen, welcher Nutzer den Schaden wirklich verantwortet. „Der WLan-Besitzer haftet in diesem Fall nicht.“ Den WLan-Schlüssel sollten nur diejenigen bekommen, denen man auch vertraut.

Wer sein WLan auch mit Nachbarn oder Bekannten teilen will, richtet besser ein Gastnetz ein. Diese Funktion lässt bei vielen Routern einfach über die Benutzeroberfläche einschalten und konfigurieren, erklärt Urs Mansmann vom Magazin „c’t“. Das Gastnetz besitzt ein eigenes Schlüssel-Passwort und ist vom Heimnetz getrennt: „Damit kann keiner, der dort surft, auf im Heimnetz angeschlossene Geräte zugreifen“, erläutert Mansmann.

Sogenannte Freifunker teilen ihr WLan dagegen aus Prinzip mit jedem. Ihre Netze sind offen, und man kann sich ohne Passwort verbinden. Wer das WLan nutzt, ist so nicht zu kontrollieren. Wer „freifunken“ möchte, schließt einen zweiten Router an seinen eigentlichen Router an. „Durch den wird das offene WLan-Netzwerk vom Heimnetz abgekoppelt“, erklärt Christian Heise, Vorstandsmitglied des Fördervereins Freie Netzwerke. Auf den neuen Zweitrouter wird die Firmware des lokalen Freifunk-Vereins gespielt. Nach der Einrichtung verbindet sich der Router mit umliegenden Freifunk-Routern und wird Teil eines dezentralen WLan-Netzwerks. Mehr als 10  000 Freifunk-Router gibt es bereits in Deutschland, sagt Heise. Auch Kiel will künftig ihren mehr als 200 Freifunkern unter die Arme greifen: : SSW, SPD und Bündnis 90/Die Grünen brachten jüngst einen Antrag in die Ratsversammlung ein, die Einrichtung von offenen WLan-Netzen auf Kieler Plätzen zu prüfen. Städtische Dächer sollen shier kostenfrei für die Installation von Hotspots geöffnet werden.

Mitstreiter seien bei Freifunk-Netzen rechtlich weitgehend abgesichert: Die Datenpakete gelangten entweder über Provider im Ausland oder über einen Freifunk-Verein mit Providerstatus ins Netz, sagt Heise. Der eigene Anschluss kann so mit den gesendeten Daten nicht in Verbindung gebracht werden. Und Provider sind von der Störerhaftung befreit.

Wenn andere über den Gastzugang oder über einen Freifunk-Router mitsurfen, steht dem Anschlussinhaber selbst natürlich weniger Bandbreite zur Verfügung. Bei schnellen Verbindungen ab 16 Megabit pro Sekunde sei das kein Problem, weil dann selbst zwei Nutzer parallel HD-Videos streamen könnten, ohne dass das Netz lahmt, sagt Urs Mansmann. Ist die Verbindung langsamer oder reicht sie für die eigenen Bedürfnisse nicht aus, sollte man die geteilte Bandbreite im Konfigurationsmenü des Routers begrenzen.

Nicht nur Störerhaftung und Bandbreite können Probleme machen. Viele Anbieter verbieten das Teilen des WLan in ihren Verträgen, warnt Härting. Wer erwischt wird, dem drohe zwar keine Strafe, aber die Kündigung. Mansmann relativiert: Bei Privatkunden spiele das Problem praktisch keine Rolle. „Schließlich können Anbieter Kunden nicht ausspionieren, das untersagt das Fernmeldegeheimnis.“

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