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Weicherts Netzwelt : WLAN-Barbie hört auch mit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Barbie startet einen Lauschangriff in Kinderzimmern - zu Werbezwecken.

Eine neue, sprechende Barbie-Puppe kann sich dank Sprachsoftware mit Kindern unterhalten – und speichert die Antworten beim Hersteller. Damit wird ein Kindertraum wahr: Schon bald redet Barbie beim Spielen ganz entspannt, wie eine echte Freundin. Banale Sprachausgaben auf Knopfdruck gehören der Vergangenheit an. Die „intelligent“ plaudernde Barbie ist ähnlich wie Apples iPhone-Assistentin „Siri“ per WLAN und Internet mit den Servern von Hersteller Mattel verbunden und führt richtige Dialoge.

Barbie merkt sich jedes Wort, das um sie herum gesprochen wird. Das Kind kann mitteilen, was ihm gerade einfällt. Tatsächlich hat Mattel angekündigt, dass Barbie auch die Berufsberatung übernehmen könne.

Auf einem Server sind alle Gespräche gespeichert, die das Kind über sein Leben, seine Zukunft und seine Interessen, Freuden und Sorgen mit Barbie führt. Die interessantesten Sachen landen in der Marketing-Abteilung von Mattel – oder sonst wo? Verkaufsstart der vernetzten Puppe soll noch im Jahr 2015 sein. Nicht bekannt ist, ob Mattel eine Schnittstelle für Eltern plant, mit der Ansagen an Barbie abgegeben werden können wie „Räum dein Zimmer auf!“ oder „Ab ins Bett“ oder „Wer war es?“-Verhöre von Geschwistern.

Unbekannt ist auch, was Barbie auf die Frage antworten wird: „Warum kümmern sich meine Eltern so wenig um mich und übergeben den Job einer Puppe?“

Barbie ist vielleicht die perfideste, aber nicht die einzige Methode, wie die IT-Industrie versucht, in unsere Wohnungen per Lausch- oder gar Spähangriff einzudringen. Mikrofone und Kameras von Spielekonsolen, Internet-Fernsehern und Smartphones haben schon heute die technische Lizenz zum Spionieren. Bei US-Anbietern gibt es oft auch keine Behörde, keinen Staatsanwalt und keinen Richter, die mobilisiert werden könnten.

Deshalb müssen wir als Konsumentinnen und Konsumenten selbst darauf achten, dass sich die elektronische Überwachung nicht in unsere Gemächer schleicht.
 

> Der Autor ist Landesdatenschutzbeauftragter. Er schreibt hier sonnabends.

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erstellt am 13.Mär.2015 | 14:07 Uhr

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