zur Navigation springen

Jenß’ Netzwelt : Wirr, wirrer, „Sunspring“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Computer schreibt Drehbücher – und hat noch lange nicht ausgelernt.

„In einer Zukunft mit Chaos und Arbeitslosigkeit sind junge Menschen gezwungen Blut zu verkaufen“, sagt ein Mann, gekleidet in futuristischem Silber und Gold, und grinst diabolisch. Mit dieser Szene beginnt der Science-Fiction-Streifen „Sunspring“, der aus der Feder von Benjamin stammt. Benjamin ist aber kein Mensch. Benjamin ist ein neuronales Netzwerk – eine künstliche Intelligenz, geschaffen von einem Künstler und einem Informatiker für das Filmfestival Sci-Fi-London.

Die Idee? Ein Computer wird mit allerhand Science-Fiction-Filmen gefüttert, lernt Wörter, Dialoge und Regieanweisungen und spuckt schließlich ein Drehbuch aus – das erste automatische der Welt. Doch die Idee krankt. Es fehlt an dem, was ein gutes Drehbuch ausmacht: eine erkennbare Intention, spannende Wendepunkte und eine klare Aussage. Zu wirr ist der Plot, zu zusammenhanglos die Dialoge, zu abgehackt die Sätze. Die Handlung trägt nicht, und die lose Abfolge von Szenen lässt den Zuschauer nach neun Minuten irritiert zurück. Selbstkritisch gab einer der Erfinder gegenüber dem IT-Portal „Ars Technica“ zu: „Als wir es zum ersten Mal lasen, haben wir uns fast totgelacht.“

Dass dennoch eine gewisse Atmosphäre zwischen den Protagonisten entsteht, ist mehr ihrer schauspielerischen Leistung geschuldet, als der Vorlage aus der Retorte. Ihre Gesten und Mimiken verleihen der Geschichte eine Spur von Empathie, Zwischenmenschlichkeit und Gefühl. Und so hat der Mensch kompensiert, was der Technik nicht gelungen ist.

Gescheitert ist „Sunspring“ aber dennoch nicht: Benjamins Erstlingswerk ist ein Beleg dafür, in welche Branchen künstliche Intelligenz dringen kann und dass Computer Kreativität lernen können. Weltweit gibt es sogar eine große Szene, die genau das versucht: künstliche Intelligenz menscheln zu lassen. Drehbuchautoren aus Hollywood, Bollywood & Co müssen den digitalen Schreiberling jedoch nicht fürchten. Zumindest vorerst.

zur Startseite

von
erstellt am 15.Jun.2016 | 18:17 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen