Fligges Netzwelt : Willkommen in der Fitness-Diktatur

Tobias Fligge
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Tobias Fligge betreut die neue Netzwelt-Seite.

Nicht fehlende Innovationen, sondern etwas ganz anderes verdiente auf der Apple-Konferenz WWDC einen Aufschrei, meint Kolumnist Tobias Fligge.

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05. Juni 2014, 04:00 Uhr

Wenn es ein Thema gab, das in dieser Woche die Technik-Welt polarisierte, dann war es Apples Entwicklerkonferenz WWDC in San Francisco. Ob Microsoft, Facebook, Google oder Apple – mich verwundert ja jedes Mal, wie sich die Gemüter vor derartigen Konferenzen erhitzen können. Einige Berichte und Kommentare lasen sich, als stünde das Ende des einst wertvollsten Unternehmens der Welt  kurz bevor, wenn nicht bald das neue iPhone kommt. Ich besitze zwar Apple-Geräte, aber keine -Aktien. Das war vielleicht der Grund, warum von mir kein wütender Aufschrei kam, als – ausgerechnet auf einer Konferenz für Software-Entwickler – nur neue Software und eben keine Hardware vorgestellt wurde.

Dabei gab es mit Apples neuem Funktions-Paket Health-Kit durchaus eine Entwicklung, die einen Aufschrei verdient hätte: Health-Kit erlaubt zukünftig die Gesundheitsdaten der vielen Fitness Tracker, die es mittlerweile gibt, zu bündeln. Es wird gespeist aus Daten von Lauf-Apps, Schrittzählern oder Armbändern, die das Schlafverhalten aufzeichnen und ja: Sogar smarte Personenwaagen gibt es schon. Hinzu kommt noch eine Gesundheitskarte in die Nutzer Daten über regelmäßig eingenommene Medikamente oder Allergien eintragen können– für den Notfall. Nicht dass es aus Gründen des Datenschutzes schon bedenkenswert ist, diese Informationen jede für sich Unternehmen preis zu geben. Mit Apples Health-Kit entsteht jetzt gebündelt ein umfassendes Bild meines gesundheitlichen Zustandes. Darüber informiere ich meinen Hausarzt, aber einen Tech-Konzern, der vergleichbar schwachen Datenschutzrichtlinien unterliegt? Apple schreibt mir zukünftig vielleicht auch noch vor, wann ich ins Bett zu gehen habe. Wenn Kliniken schlampig mit Krankenakten umgehen, ist das Geschrei groß. Viele dieser sensiblen Daten geben Menschen aber schon freiwillig weiter, ohne es zu wissen.

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