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„Mega-Datendiebstahl“ : Wild West im Internet

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der Passwortklau ist eine reale Gefahr. Der Entdecker Alex Holden lässt aber bewusst und aus Eigennutz Fragen offen, kommentiert Joachim Dreykluft.

Der Wilde Westen brachte eine Erkenntnis: Man sollte nicht Gold schürfen. Es ist besser, Schaufeln zu verkaufen.

Der neue Wilde Westen ist das Internet. Während die einen digitales Gold schürfen, also illegal Passwörter abgreifen, verkaufen die anderen die Werkzeuge, um die Menschheit davor zu schützen.

Um das klar zu sagen: Der am Mittwoch bekannt gewordene Datendiebstahl ist absolut ernst zu nehmen und eine reale Gefahr. Aber umso ärgerlicher ist es, wenn die Firma, die sich rühmt, ihn aufgedeckt zu haben, Öffentlichkeit und Betroffenen bewusst Informationen vorenthält mit der Absicht, daraus Profit zu schlagen. Hold Security aus Milwaukee wirbt ganz unverblümt mit seinen Dienstleistungen, um der Gefahr zu begegnen.

Übrig bleibt dabei eine lange Liste voller Ungereimtheiten und Fragen. Etwa die, wen Hold-Gründer Alex Holden eigentlich meint, wenn er gegenüber der „New York Times“ sein Schweigen über die Namen der Opfer mit „Verschwiegenheitserklärungen“ begründet. Mit wem will er die denn geschlossen haben?

Seltsam ist auch, dass Holden offenbar im Besitz der gesamten Datenbank ist. Hat er sie den Dieben geklaut oder haben die ihm ihren Schatz freiwillig übergeben?

Auch in Details trägt Holden dazu bei, Panik zu schüren, anstatt Probleme zu lösen. So lässt er (bewusst?) offen, ob die Passwörter verschlüsselt oder, viel schlimmer, unverschlüsselt sind. Verschlüsselung ist übrigens der Standardfall. Vielleicht würde der „Mega-Datenklau“ gar nicht mehr so gigantisch wirken, wenn Hold Security der Öffentlichkeit die ganze Geschichte erzählen würde?

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erstellt am 06.Aug.2014 | 17:39 Uhr

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