zur Navigation springen

Trilobular, Guttenberg und Kasachstan : Wikipedia: „Editwars“ und Trolle vermiesen 15. Geburtstag

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia sammelt Schwarmintelligenz – und subjektive Wahrheiten. Kolumnistin Mira Nagar hat nachgeforscht.

von
erstellt am 14.Jan.2016 | 12:29 Uhr

Wikipedia ist ungemein praktisch, nie zuvor hatte man so schnell so viel Wissen zur Hand. Ganz ohne Regalmeter füllende, teils abgelaufene Enzyklopädie-Schinken. Doch hinter dem so nüchtern und professionell erscheinenden Online-Nachschlagewerk gärt es. Es toben „Editwars“, in denen sich zwei oder mehr Nutzer immer wieder gegenseitig überschreiben, und es wimmelt von Trollen, die pubertäre Witze in Artikel einbringen. Darunter mischen sich ein steter Feldzug gegen Werbe-Versuche und eine gewisse Grundskepsis gegenüber neuen Schreibern.

Manche Artikel ähneln hinter den Kulissen einem Schlachtfeld darum, wer das letzte Wort hat. Hinter den Kulissen bedeutet hier: Die Versionsgeschichte und die Diskussion. Zuweilen führt das zu unfreiwilliger Komik. So ist beispielsweise die Diskussion über das Wort Trilobular (eine geometrische Form) wesentlich länger als die Beschreibung des Gleichdicks. Ja, man kann sich vorzüglich über alles streiten. In diesem Fall beansprucht eine Firma die Rechte an dem Wort und hat immer wieder den Namen TRILOBULAR (R) in Versalien schreiben und mit einem Trademark-Zeichen versehen lassen. Ein Hüter der Wikipedia machte es sich zur Aufgabe, diesen plumpen Marketing-Versuch zu unterbinden. Der Disput der beiden kann durchaus als gelungene Comedy durchgehen.

Ein stetiger Kampf ist auch das Behüten der Beiträge zu tatsächlich umstrittenen Themen. Immer wieder landen Beleidigungen in der Beschreibung der Bundeskanzlerin. Das hatte zur Folge, dass Apples Sprachsoftware Siri sie schonmal als „Lügnerin und Sklavin der USA“ bezeichnete, da das Programm sein Wissen aus Wikipedia speist.

Auch Björn Höckes Eintrag wird regelmäßig manipuliert. Besonders gern wird sein Name in Bernd umgeschrieben. Legendär sind Fälschungen wie ein eingeschummelter Vorname bei Karl-Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg, der tags darauf in mehreren Zeitungen landete. Oder eine falsche Hymne Kasachstans, die aus dem Film Borat abgeschrieben wurde und das Land für die saubersten Prostituierten der Region lobte statt für goldene Körner auf dem Feld.

Fatalerweise können diese Manipulationen neben einem gewissen Unterhaltungswert auch zahlreiche Folgefehler auslösen. Denn Wikipedia ist Wissen und Wissen ist Macht. Und auch falsches Wissen landet hin und wieder schlampig kopiert in Hausarbeiten, Artikeln, bei Siri – und in den Köpfen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen