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Deutscher Computerspielpreis 2017 : Wie E-Sport salonfähig werden soll

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Erstmals sind beim Deutschen Computerspielpreis Titel dabei, die die Vielfalt der hiesigen Branche widerspiegeln.

shz.de von
erstellt am 15.Apr.2017 | 13:53 Uhr

Hamburg/Kiel | In Deutschland arbeiten Millionen Menschen in der Nahrungsmittelindustrie, im Einzelhandel, in der Automobilbranche, im Maschinenbau. Allein Unternehmen wie Volkswagen, Aldi und Bosch beschäftigen Hunderttausende Mitarbeiter. Die boomende Digitalbranche (ITK) kommt immerhin – laut Branchenverband Bitkom – auf eine Million Mitarbeiter. Zur ITK-Branche zählen die Hersteller und Verleger von Digitalspielen, die Mitarbeiterzahl aller in Deutschland ansässigen Games-Unternehmen stagniert niedrigen fünfstelligen Bereich. Um das Gewerbe populär zu machen, verleihen die Branchenverbände BIU und G.A.M.E. gemeinsam mit dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) den Deutschen Computerspielpreis.

Der Deutsche Computerspielpreis

Seit  2009 findet die Verleihung abwechselnd in München und Berlin statt. In der Vergangenheit wurden vorzugsweise kind- und jugendgerechte Titel ausgezeichnet. Umso erstaunlicher wirken die Nominierungen des Jahres 2017.  

 

Im Gespräch ist die Spielebranche jedenfalls – die Förderung von Games und das Thema E-Sports ist sogar ein Wahlkampfthema: Im Hinblick auf die Landtagswahl in Schleswig-Holstein etwa nehmen die meisten Parteien Stellung dazu, ob und wie E-Sports-Veranstaltungen gleichberechtigt mit konventionellen Sportveranstaltungen gelten können. CDU, AfD oder Die Partei sehen dafür keinen Anlass, Grüne, Piraten oder Die Linke setzen den Haken bei „Ja“. Die SPD hat das Thema nicht auf der Agenda. Die Hamburger FDP setzt das Thema sogar seit Ende 2016 aktiv auf die Agenda in der Hamburgischen Bürgerschaft und will Computerspiele offiziell als Sportart anerkennen lassen. „E-Sport weist in vielen Ländern bereits professionelle Strukturen auf und fängt auch hierzulande an, sich zu etablieren“, sagte der sportpolitische Sprecher der FDP-Bürgerschaftsfraktion, Daniel Oetzel zu dem Antrag.

Auch in Husum (Kreis Nordfriesland) setzt man auf E-Sports: Bereits drei Mal rief man hier zur „Nordish-Gaming-Convention“, einer großen Lan-Party, bei der der Fokus bereits im letzten Jahr stärker auf Turnieren mit internationaler Besetzung lag. Gamer aus Dänemark, Österreich, der Schweiz und Deutschland zockten hier beispielsweise den Ego-Shooter „Coutnerstrike“ um Sach- und Geldpreise.

International ist man weiter: Das dänische Sonderburg soll im Norden eine Vorreiterrolle in Sachen E-Sports einnehmen – hier will die Organisation „Cross Border Esports“ (CBE) ein „House of Esports“ einrichten und Vereinen beratend zur Seite stehen. Vom dänischen Randers bis Hamburg könne man so von räumlich zentraler Stelle 9,2 Millionen Menschen mit E-Sports als Breitensport erreichen. Und die kanadische Regierung unterstützt seit Jahrzehnten ihre Games-Branche mit mehrstelligen Millionen-Beträgen – internationale Konzerne gründeten Dependancen in Kanada, lagerten Studios nach Montréal und Vancouver aus. Heute gilt Kanada nach Japan und den USA als einer der stärksten Games-Entwicklungsstandorte.

Deutschland ist davon weit entfernt. Indes deuten die Nominierungen des Deutschen Computerspielpreises einen dezenten Gesinnungswandel an. So marschierte jüngst die Bundestagsabgeordnete Dorothee Bär zu den Klängen des „Zelda“-Abenteuers ins Studio der ZDF-Sendung Neo Magazin Royale. Bär ist Jury-Mitglied beim Computerspielpreis – und der CSU. Deren Mitglied, der ehemalige bayerische Ministerpräsident Günther Beckstein, hatte vor rund zehn Jahren mit dem Kampfbegriff „Killerspiele“ eine Debatte ausgelöst, die dem Ansehen der Games-Branche nachhaltig schadete.

Kategorie (Auswahl) Nominierte
Bestes  Spiel

- „On Rusty Trails“ des Berliner Black Pants Studios

- „Portal Knights“ der Frankfurter Keen Games

- „Shadow Tactics – Blades of the Shogun“ der Mimimi Productions aus München

Beste Innovation

- „Fightlings“ von Thoughtfish

- „Holocafé“  des gleichnamigen Studios  aus Düsseldorf

- „VR Coaster Rides und Coastiality App“ von VR Coaster in Kaiserslautern

Bestes mobiles Spiel

 - „Galaxy on Fire 3 – Manticore“ von Deep Silver Fishlabs aus Hamburg

- Koch Media aus Planegg, „Glitchskier“ von Shelly Alon aus Hamburg

- „Twisted Lines“ von Megagon Industries in Berlin


> Bis zum 21. April können Deutschlands Gamer auf www.deutscher-computerspielpreis.de/publikumspreis für ihr Lieblingsspiel 2017 abstimmen.

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