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Digitale Enteignung : Whatsapp: Wer Bilder verschickt, tritt Rechte ab

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Whatsapp-Nutzer sollten die AGB einmal genauer lesen. Denn die Rechte an Bildern und Texten, die über den Messenger verschickt werden, überträgt man mit Drücken des Sendebuttons direkt an Whatsapp. Mit unabsehbaren Folgen.

shz.de von
erstellt am 23.Mai.2014 | 16:51 Uhr

San Jose | Dass Whatsapp den Datenschutz nicht so ernst nimmt, hat die Vergangenheit gezeigt. So konnte der Messenger lange relativ einfach gehackt werden. Danach sorgte der Kauf durch Facebook für Aufregung. Jetzt kommt die digitale Enteignung dazu. Denn wer bei Whatsapp Bilder und Texte verschickt, überträgt seine Rechte daran vollständig an den Messenger-Dienst.

Im Klartext: Whatsapp darf alle geschriebenen Inhalte und Fotos kostenlos in Werbeanzeigen nutzen und auch weiterverkaufen, ohne dass man als Urheber um Erlaubnis gefragt werden muss. Tief versteckt in den AGB des Messengers Whatsapp findet sich unter Punkt 5.B.ii idie Rechteabtretung. Dort heißt es, dass Whatsapp sich die Rechte vorbehält, alle Texte, Bilder und andere Inhalte, die ein Nutzer postet, über verschiedene Medien-Kanäle weiter zu verbreiten. Kurios ist die Formulierung. In dem Abschnitt der AGB heißt es zwar, dass alle Urheberrechte beim Nutzer verbleiben, dieser allerdings dem Messenger die umfangreichen Nutzungsrechte darüber einräumt.

Auszug aus den AGB:

...you retain all of your ownership rights in your Status Submissions, but you have to have the rights in the first place. However, by submitting the Status Submissions to WhatsApp, you hereby grant WhatsApp a worldwide, non-exclusive, royalty-free, sublicenseable and transferable license to use, reproduce, distribute, prepare derivative works of, display, and perform the Status Submissions in connection with the WhatsApp Service and WhatsApp's (and its successor's) business, including without limitation for promoting and redistributing part or all of the WhatsApp Service (and derivative works thereof) in any media formats and through any media channels.

„Die Kunden stimmen jedenfalls in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu, dass WhatsApp alle Inhalte, Bilder und ähnliches ohne Einschränkung und in allen Medienformaten und über alle Kanäle weiterverbreiten kann“, sagt Rolf Becker, Rechtsanwalt in der Kölner Kanzlei Wienke & Becker gegenüber dem Handelsblatt. „Ob sie das wirksam tun, ist allerdings noch eine andere Frage“, sagt Becker. „WhatsApp lässt sich ein gebührenfreies Recht einräumen, fast alles mit den Inhalten der Nutzer anzustellen.“

Problem an der Änderung der AGB: Obwohl Whatsapp weder nachfragt noch Geld für die Inhalte zahlt, hat der Nutzer sämtliche Risiken bei der weiteren Verwendung zu tragen. Heißt im Klartext: verschickt ein Smartphone-Besitzer ein urheberrechtlich geschütztes Bild über Whatsapp und das Unternehmen würde das Bild für Werbeaktionen nutzen, könnte der Versender rechtlich belangt und vom Urheber abgemahnt werden. Die Praxis ist rechtlich umstritten, aber legal. Den Messenger zu verklagen wäre riskant.

Whatsapp war erst jüngst in die Kritik geraten, nachdem feststand, dass Facebook die App käuflich erworben hatte. Viele Nutzer sahen ihre Daten in Gefahr und kehrten dem Messenger den Rücken. Dank Smartphone und WhatsApp können Freunde in Echtzeit miteinander kommunizieren, Fotos und Videos aufnehmen. Täglich werden millionenfach Bilder und Texte über den Messenger verschickt.

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