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Gerüchte um „Blue Whale Challenge“ : WhatsApp-Spiel soll Jugendliche in den Selbstmord treiben

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Es soll Zusammenhänge mit Todesfällen in Russland geben. Dabei ist nicht einmal klar, ob das Spiel wirklich existiert.

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erstellt am 30.Jun.2017 | 18:06 Uhr

Dieses Spiel klingt nicht nach Spaß: Die „Blue Whale Challenge“ soll Kinder und Jugendliche via WhatsApp in den Selbstmord treiben. Das berichten verschiedene Medien. In Russland soll das Spiel demnach in Verbindung mit dem Tod von mehr als 100 jungen Nutzern stehen.

Konkrete Beweise auf Zusammenhänge zwischen den Suiziden und dem Spiel gibt es bislang nicht. Außerdem ist noch nicht einmal bewiesen, ob es diese Challenge so überhaupt gibt. Bei diesem „Spiel“ sollen angeblich Nachrichten eines „Paten“, den die Nutzer in sozialen Netzwerken finden, die Jugendlichen über den Messenger WhatsApp erreichen, in denen ihnen 50 Aufgaben - beispielsweise diverse Selbstverletzungen und gefährliche Mutproben - innerhalb von 50 Tagen gestellt werden, am Ende der 50 Tage steht der Suizid.

------------!!!WICHTIG!!! ---------- Weil ich weiß, dass ich eine relativ große Reichweite habe und hiermit mindestens 300 Leute oder mehr erreichen kann, wollte ich über ein Thema aufklären, welches momentan sehr populär ist. Viele von euch werden wahrscheinlich schon von der #bluewhalechallenge gehört haben, viele aber auch nicht. Wer noch nicht Bescheid weiß und sich das hier alles nicht durchlesen will, guckt sich am besten dieses Video an: https://youtu.be/O4xjJ4dt9fc Es geht um eine challenge mit 50 Aufgaben, pro Tag eine Aufgabe, ich werde euch alle 50 Stück zum Schluss noch einmal verlinken. Dabei bekommt jeder Teilnehmer einen "Paten" zugeteilt, der ihm täglich die jeweiligen Aufgaben stellt. Beginnen tut die challenge damit, dass man sich einen Blauwal in den Arm ritzen muss und dann geht es mit harmlosen Aufgaben weiter. An Tag 26 bekommt man ein Datum gesendet, man muss dabei zustimmen, dass man sich an diesem Tag das Leben nimmt. Tut man das nicht, wird einem mit dem Tod seiner selbst oder seiner Familie gedroht. An dem letzten Tag steht der Selbstmord. Man soll von einem hohen Gebäude springen. Während dieser 50 Tage wird man langsam auf seinen eigenen Tod vorbereitet. Es sind schon mehr als 150 Todesfälle bekannt. Aber wahrscheinlich sind es um einige mehr. Falls irgendjemand aus eurem Umfeld Anzeichen dieser challenge machen sollte, informiert einfach auf direktem weg die Polizei um schlimmeres zu verhindern und sollte euch jemand fragen, versucht das Profil oder die Seite zu melden oder auch der Polizei bekannt zu machen. Ich danke euch für das Lesen und hoffe das dieser ganze hype aus Russland bald endet. #bluewhale #bluewhaleinfo Die 50 Challenges: https://www.reddit.com/r/morbidquestions/comments/5xsnpq/what_are_the_exact_50_challenges_in_the_blue/

Ein Beitrag geteilt von Lena | 16 | FR-DE-IT | Taken (@_lenaromina) am

Erfülle der „Spieler“ diese Aufgabe nicht, werde damit gedroht, dem Nutzer selbst oder der Familie etwas anzutun. 

Bekannt ist aber, dass es im Internet - beispielsweise in dem zwielichtigen russischen Netzwerk „VKontakte“, aber auch bei anderen sozialen Netzwerken - Gruppen gibt, in denen es um Selbstverletzung oder Selbstmord geht, oder Nutzer anderen gar zum Suizid raten.

In Schleswig-Holstein sind noch keine Fälle bekannt

Inzwischen soll „Blue Whale“ es bereits sogar auf die Smartphones deutscher Schüler geschafft haben. Ein Schulleiter aus Rheinland-Pfalz soll auf Anraten der dortigen Polizei einen Warnbrief an die Eltern verschickt haben, berichtet Bild.de. In Schleswig-Holstein habe man keine konkreten Hinweise auf eine derartige Problemsituation, sagen Landespolizei, Bildungsministerium, Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie Medienpädagogen unisono.

Dennoch sei es unerlässlich, Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz und den Umgang mit den realen Gefahren der digitalen Welt zu vermitteln. Dabei gehe es darum, dass sie lernen, „sich souverän und kritisch in digitalen Welten zu bewegen“, sagt Bernd Schauer, Geschäftsführer der GEW Schleswig-Holstein, die die Interessen aller im Bildungsbereich arbeitenden Menschen vertritt. Dafür brauche es eine „an neue Herausforderungen angepasste Aus- und Fortbildung der Lehrkräfte sowie eine bessere Ausstattung der Schulen, inklusive erforderlichem technischen Support“.   

Doch die Vermittlung von digitaler Kompetenz zu vermitteln sei nicht nur Sache der Schulen, sagt Thomas Schunck, Sprecher des Ministerium für Schule und Berufsbildung in Kiel – auch in Lehrbetrieben und im Elternhaus müsse man dafür „hellwach sein, was sich da entwickelt“.

Eltern von bis zu Zwölfjährigen sollten die WhatsApp-Kontakte ihrer Kinder kennen und ohnehin im Kontakt mit ihren Kindern zu Messengern und Mediennutzungsthemen sein, rät Henning Fietze, Medienpädagoge am Offenen Kanal Schleswig-Holstein in Kiel. Für Eltern von bis zu 14-Jährigen gelte: „Die kritischen Themen wie Sexting, Magersucht, Cybermobbing oder exzessive Nutzung mit den Kids besprechen.“ Fietze mahnt aber zu einem bedachten Umgang mit Mythen wie diesem: „Wenn wir zu jedem Kettenbrief oder Hype ventilieren, nähren wir den Eindruck des dunklen Netzes immer weiter.“ Aus Sicht von GEW-Chef Schauer „sollten Medien das Spiel auch nicht unnötig promoten“. Dennoch: Das Thema wächst. Und diese Entwicklung zeige, wie wichtig es sei, die Kinder für die Kehrseite des Internets zu wappnen, sagt Ministeriums-Sprecher Thomas Schunck.

Experten sehen keinen Fake - und raten zur Meldung an die Plattform und die Polizei

Auch die österreichische Webseite Mimikama.at, deren Macher es sich zur Aufgabe gemacht haben, Gerüchte, die im Internet kursieren, auf ihre Richtigkeit zu prüfen, hat sich dem Thema „Blue Whale Callenge“ bereits mehrfach gewidmet - und kommt erneut zu dem Schluss: Zusammenhänge zwischen toten Jugendlichen und dem Spiel können nicht bewiesen werden, man könne aber - betrachte man alle Dokumentationen und Medienberichte, die sich mit dem Thema auseinandersetzen, „sehr wohl einen Zusammenhang zwischen einem solchen Spiel und zahlreicher Selbstmorde Jugendlicher erkennen“. Es handele sich bei dem Mythos der Challenge mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht um einen Fake. Man könne Nutzern nur „dringend davon abraten, solche Seiten zu besuchen oder gar bei solchen ,Spielen' mitzumachen – auch nicht zum Spaß. Die Opfer werden terrorisiert und bedroht.“ Es gehe darum, ihren Willen zu brechen und sie gefügig zu machen.

Die Experten von Mimikama.at raten, Gruppen oder Nachrichten dieser Art in sozialen Netzwerken sofort zu melden, damit diese gelöscht werden können. Auch eine Meldung an die Polizei sei in diesen Fällen sehr wichtig, damit die Initiatoren „aus dem Verkehr gezogen werden“ können.

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