zur Navigation springen

Mit Livestream : Wer knackt Enigma? Museen werfen Funktechnik aus dem Krieg wieder an

vom

Amateurfunker aus Europa sind aufgerufen, sich am Entschlüsseln von codierten Nachrichten zu beteiligen.

shz.de von
erstellt am 07.Apr.2017 | 13:21 Uhr

Paderborn | Das Heinz-Nixdorf-Museum in Paderborn und Bletchley Park, die ehemalige geheime britische Dechiffrierzentrale, beleben für einen Versuch am Freitag historische Technik.

Erstmals seit dem Zweiten Weltkrieg werden mit der Verschlüsselungsmaschine „Enigma“ codierte Nachrichten gesendet. Mit der Aktion wollen die Teams in Deutschland und England an die Leistung von Alan Turing erinnern, der mit seinem Team im Zweiten Weltkrieg den Funk-Code der deutschen Marine und Wehrmacht geknackt hatte. Jahre lang konnten die Engländer so ab 1941 unbemerkt die Funksprüche abfangen.

In England versucht ein Team von Experten des Nationalen Computer-Museum Großbritanniens, die Funksprüche mit alter Technik zu entschlüsseln. Der Versuch ist im Livestream zu sehen:

Auch das Heinz-Nixdorf-Museum bietet einen Livetsream an:

Auch Funkamateure können sich an der Lösung beteiligen. Die Funksprüche werden ab 9.30 Uhr auf 40-m-Band (7036 kHz, DL0HNF) gesendet. Wer den Funkspruch entschlüsselt hat, schicke eine Mail an enigma@hnf.de.

Hintergrund: Wie das Rätsel von „Enigma“ geknackt wurde

Das Knacken der deutschen Verschlüsselungs-Maschine „Enigma“ im Zweiten Weltkrieg gilt als eine Meisterleistung der britischen Codeknacker um Alan Turing und Dillwyn Knox. Die „Enigma“ hatte eine Tastatur mit 26 Buchstaben-Tasten sowie 26 Leuchtfelder mit den Buchstaben, die den verschlüsselten Text bildeten. Auf dem Weg von Tastatur zum Lämpchen durchlief der Strom einer Batterie drei rotierende Walzen mit verwirrend verdrahteten elektrischen Kontakten und wurde dann von einer Umkehrwalze noch einmal durch sie zurückgeleitet. Um es komplexer zu machen, wurden zudem noch mit Hilfe von Stecker-Kabeln zehn Buchstaben-Paare gegenseitig vertauscht. Die Reihenfolge der Walzen und die Buchstaben-Paare änderten sich täglich.

Es dauerte Jahre, bis „Enigma“ geknackt wurde. Die Grundlage legte ein polnischer Mathematiker, der die interne Verdrahtung der Walzen durchschaute. Das System hatte jedoch auch Schwächen, die sich die britischen Codeknacker in Bletchley Park zunutze machten. So sorgte die Umkehrwalze dafür, dass kein Buchstabe mit sich selbst verschlüsselt wurde.

Das war ein wertvoller Hinweis: Denn die Kriegs-Funksprüche enthielten sich ständig wiederholende Worte wie etwa „Wettervorhersage“. Man konnte relativ einfach die Stellen im Text finden, an denen sie sich überhaupt befinden konnten.

Dadurch war es mit Wissen um die innere Verdrahtung der Walzen möglich, deren tagesaktuelle Position zu ermitteln. Den Austausch der Buchstaben räumten die Briten dadurch aus, dass sie eine Vielzahl möglicher Kombinationen in nachgebauten „Enigma“-Mechanismen durchlaufen ließen. Je mehr Maschinen liefen, desto schneller konnte man zu einem Ergebnis kommen. So wurde zum Beispiel am Tag der Landung der Alliierten in der Normandie die tagesaktuelle „Enigma“-Konfiguration bereits um 2.00 Uhr morgens ermittelt, dank dem Begriff „Wettervorhersagebiskaya“.

 
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen