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Wenn Pflicht zum Spaß werden soll

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Smarte“ Zahnbürsten helfen und beraten fast spielerisch beim Zähneputzen. Doch sind sie nötig?

Ein Plastikstiel mit Borsten, ein Klecks Zahnpasta und drei Minuten oben, unten, rechts und links schrubben: Das ist offenbar Zähneputzen anno 1995, denn „smarte“ Zahnbürsten erobern den Markt. Die neue Philips „FlexCare Platinum Connected“ verbindet sich via Bluetooth – wie passend – mit dem Smartphone. Eine App hilft, die eigenen Beißerchen so schonend und gründlich wie möglich zu säubern. Der Preis für das neue Zahnreinigungs-Spiel: 200 Dollar.

Die tägliche Reinigung meiner Zweiten kostet bislang ein paar Euro, selbst eine Premium-Handzahnbürste liegt weit unter zehn Euro. Mit elektrischen Zahnbürsten bin ich nie warm geworden und jetzt soll auch mein Smartphone noch mit ins Bad und mir farblich und akustisch anzeigen, wann ich wo genug geputzt habe? Die elektrische Zahnbürste ist dafür mit Sensoren ausgestattet worden. Die App kann mit Informationen über den eigenen Mund gefüttert werden, warnt bei zu viel Druck aufs Zahnfleisch und kann etwa 3  000 Tipps zum richtigen Zähneputzen geben. Eine Wissenschaft – oder einfach Nonsense?

Hier wird das Zähneputzen gamifiziert – also mit Elementen aus dem Spieledesign erweitert. Wenn es so weiter geht, können sich demnächst Zähneputzer aus der Nachbarschaft miteinander messen und in einen Wettbewerb um die saubersten Zähne eintreten. Die „Beam Brush“ von Beam – auch so eine smarte Zahnbürste mit App – belohnt die gute Mundhygiene des Anwenders bereits mit Kinotickets oder Modegutscheinen.

Selbst die American Dental Association (ADA) sagt: „Manuelle und elektrische Zahnbürsten können beide effektiv und gründlich die Zähne reinigen.“ Die ADA empfiehlt auf ihrer Webseite interessanterweise auch nur manuelle Zahnbürsten. Ganz so viel kann ich in meinem Leben mit der Zwei-Euro-Bürste nicht falsch gemacht haben.

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erstellt am 10.Jun.2016 | 11:47 Uhr

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