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Dreyklufts Netzwelt : Wenn Knipser Beute machen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Internet Geschädigte verlangen Summen, die mit dem Schaden nichts zu tun haben.

von
erstellt am 15.Okt.2014 | 05:30 Uhr

Im Internet werden Urheberrechte verletzt. Wie auch im richtigen Leben. Es wird geklaut, gestohlen, gemopst. Musik, Bilder, Ideen. Die Rechtsordnung sieht entsprechende Mittel dagegen vor. Menschen, die sich beklaut fühlen, dürfen sich wehren. Sie schalten Anwälte ein, die klagen, abmahnen, Schadenersatz verlangen. Das ist auch in Ordnung so. Doch in der Praxis führen Verstöße gegen das Urheberrecht im Internet zu Forderungen, die mit dem eigentlichen Schaden nicht mehr ansatzweise etwas zu tun haben.

Die bekanntesten Fälle sind die, in denen Privatpersonen Abmahnungen ins Haus bekommen mit Summen, die jeden Normalverdiener einschüchtern. Oft geht es hierbei um illegalen Umgang mit Musik. Oft trifft es Eltern, deren Kinder Unsinn machen, der aber gar keinen realen Schaden anrichtet. Denn die Überlegung, dass sie das, was sie geklaut haben, ansonsten gekauft hätten, entspricht nicht der Lebenswirklichkeit. Der Streitwert solcher Abmahnungen ist vom Gesetzgeber inzwischen auf höchstens 1000 Euro beschränkt worden.

Mich nerven Fälle, in denen Menschen geknipste Bilder zur Veröffentlichung weitergeben („können Sie drucken“), anschließend meldet sich der Anwalt eines Dritten, der sich als Fotograf zu erkennen gibt. Selbstverständlich ist das rechtens. Aber der Verdacht liegt nahe, dass hier eine Beute gemacht werden soll, um sie anschließend unter den Beteiligten aufzuteilen.

Denn warum darf der Knipser eine Summe verlangen, als sei er ein Starfotograf? Und der Anwalt ein Vielfaches an Honorar, weil der Streitwert angeblich mehrere Tausend Euro beträgt? Hier gibt der Gesetzgeber Geschädigten die Möglichkeit, nicht nur ihren Schaden ersetzt zu bekommen, sondern gleichzeitig ihre Anwälte zu bereichern. In der Praxis läuft das nicht auf einen Schadenersatz hinaus, sondern auf eine Strafzahlung. Dabei sind wir hier gar nicht im Strafrecht.

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