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Fietzes Netzwelt : Wenn Kinder Spiele testen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Beim Computerpreis Tommi kürt die junge Zielgruppe selbst die Spiele. Doch das Konzept hat Schwächen.

Ein echter Jugendtraum: Beruflich gamen. Das haben in den letzten Wochen Kinder im Land und bundesweit geleistet – als Jury bei einem Computerspielepreis.
Und wer gewinnt? Ein unentdecktes pädagogisch wertvolles Spartenspiel? Eines dieser Games, die ohne den Preis nie eine Chance hätten, deren Grundidee aber genau richtig ist für moderne medienaffine Kids? Ach wo – es gewinnt meist der schnöde Durchschnitt. Das Kommerzielle, medial Präsente, zuhauf Gedaddelte: Diesmal unter anderem „Fifa 15“ und die „Sims 4“.

Ganz früher gab’s die Feibelmaus – ein kleines Qualitätsmerkmal für Spiele. Da gewannen Peterson und Findus. Hakelig im Spiel, unrund programmiert. Aber die Auswahl war bemüht, neue Gedanken in die Spielewelt der unter 13-Jährigen oder die Auswahl der Eltern zu bringen. Später, andere Zielgruppe, gab’s den Deutschen Computerspielpreis, manchmal in der Kritik wegen seiner Wirtschaftsnähe. Der Tommi aber schießt den Vogel ab: Neben oben genannten Spielehits wird da die ambitionierte, aber langwierige und zweidimensionale Spieleapp „Unstoppables“ prämiert. Gab es nichts besser Gebautes? Wollen die Kinder nicht mehr Spektakel, sondern herbstliche Farben und Jump’n’Run-Aufgaben mit Lesetexten? War’s die Auswahl auf dem deutschen Markt? Oder passte der Inklusionsgedanke einfach zu gut ins Portfolio?

Klasse, wenn die Zielgruppe Produkte bewerten darf, schön, wenn dies in einem recht transparenten Verfahren stattfindet, und wunderbar, wenn Kinder durch solche Bewertungen ihre Urteilsfähigkeit fördern und unter Beweis stellen. Aber die Vor-Auswahl der Experten ist kritisierbar. Oder das Prinzip der Selbstanmeldung muss überdacht werden: Wie werden kleine internationale Spieleanbieter auf den Contest aufmerksam?

Ein Gutes hat der Wettbewerb – er gibt Orientierung im Angebotsdschungel. Doch Eltern aufgepasst: Greift nicht zum erstbesten Tommi-Tipp, spielt selbst (mit den potentiell Beschenkten), stöbert auf Spielbar.de oder folgt dem neusten Trend: Brettspiele sind im Kommen, sagt die Brettspielwirtschaft.

> Der Autor Henning Fietze ist Medienpädagoge beim Offenen Kanal Schleswig-Holstein in Kiel.

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