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Dreyklufts Netzwelt : Wenn Google sich selbst nicht findet

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Anders als Googles hauseigene Dienste ist das Formular für einen Löschantrag alles andere als leicht auffindbar, merkt Kolumnist Joachim Dreykluft in einem Selbstversuch.

von
erstellt am 29.Mai.2014 | 04:00 Uhr

Wer nach „Flensburg Karte“ googelt, wird auf Google Maps hingewiesen. Wer in der Video-Suche „Kieler Woche” eingibt, landet bei Youtube, einer Google-Tochter.

Basierend auf solchen Erlebnissen meint der Bundeswirtschaftsminister, Google missbrauche seine martkbeherrschende Stellung. „Zerschlagung“ forderte Sigmar Gabriel vor drei Wochen in der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Er dachte wohl, er habe das richtige populäre Thema im Europa-Wahlkampf erwischt. Google war gerade, für Google-Verhältnisse, angeschlagen.

Der Europäische Gerichtshof hatte wenige Tage zuvor der Klage eines Spaniers stattgegeben, der forderte, dass Google vergessen möge, dass er vor langer langer Zeit einmal in eine Zwangsvollstreckung verwickelt war.

Wohl nicht aus Angst, dass Gabriel seine Forderung in eine Gesetzgebung kleiden könnte, hat Google inzwischen auf das Urteil reagiert. Per Internet-Formular kann jeder in Europa das Tilgen von Links beantragen, die einem nicht in den Kram passen. Eine Begründung muss man aber schon angeben.

Da mich das als Mensch und Journalist interessierte, machte ich das, was Zigtausende andere auch taten: einen Antrag auf Vergessen stellen. „FTD-Mann kommt unter“ lautet der erste Eintrag, wenn ich meinen Namen google. Meine nicht ganz ernste Begründung: Dieser Beitrag sei herablassend und schade meinem beruflichen Fortkommen. Mal sehen, was daraus wird.

Was aber nicht so leicht war: das Formular zu ergoogeln. „Antrag auf vergessen“ und selbst „Antrag auf Entfernung aus den Suchergebnissen“ führen zu allem möglichen, nur nicht zu dem Google-Antrag. Ich habe ihn dann doch gefunden, über einen Link in einem Pressetext.

Aber nicht nur in diesem etwas ungewöhnlichen Fall zeigt sich, dass das Argument von Gabriel, Google bevorzuge eigene Angebote, oft nicht greift. Wer etwa „Routenplaner“, „Email“ oder „Musik streaming“ googelt, wird feststellen: Google hat hier zwar eigene Angebote, diese landen aber mitnichten in den Trefferlisten ganz oben.

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