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Christiansens Netzwelt : Wenn Emojis politisch werden

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

72 neue Bildchen stehen in den Startlöchern, eines fiel der Zensur zum Opfer.

Ich lache gern bis mir die Tränen kommen, verteile zustimmende Gesten und tanze, wann immer sich mir eine Möglichkeit bietet. Zumindest digital. Diese Hinweise auf meinen Kommunikationsstil finden sich in meinem Whatsapp-Account unter den von mir am häufigsten versendeten Emojis. Ein Sammelsurium der Heiterkeiten – begrenzt nur durch Rahmenvorgaben aus dem fernen Kalifornien. Dort sitzt das Unicode-Konsortium, das über Emoji oder nicht Emoji entscheidet… und es gerade wieder getan hat: Ab heute könnten sich auch eine selfieschießende Hand, ein Gorilla oder eine schulterzuckende Frau unter die Lieblingsbildchen streuen. Insgesamt 72 neue Bildchen soll es beim nächsten Messenger-Update geben – sofern der Anbieter mitmacht und sie ins nächste Update integriert.

Ob sich ein Emoji überhaupt durchsetzt, steht und fällt auch mit dem guten Willen der Konzerne: So setzte sich Microsoft dafür ein, dass das Stinkefinger-Emoji es aus der virtuellen Schublade in die Messenger-Welt schafft. Und neben Microsoft auch Apple aktuell dafür, dass das Bildchen eines Gewehrs von der Liste gestrichen wird. Warum? Weil sie es als stimmberechtigte Mitglieder des Konsortiums können. Eine offizielle (und sinnvollere) Begründung gibt es noch nicht.

Denkbar ist, dass die Entscheidung durch den Anschlag in Orlando beeinflusst ist. Ein Statement gegen Waffengewalt? Gut möglich. Eine weitere Meldung aus den USA lässt den Schluss zu, dass Apple etwas mit Politik zu tun hat. US-amerikanische Medien berichteten, Apple habe die zugesagte Unterstützung vom Parteitag der Republikaner zurückgezogen – wegen Unbehagens über Donald Trump, der verbal regelmäßig gegen Muslime, Einwanderer oder den Apple-Chef schießt. Ob Trump sich schlussendlich durchsetzt, entscheiden allerdings die Wähler.

Im Falle des Emojis  würde sich wohl auch vieles durch die Nutzer regeln: Wer schreibt schon gerne mit jemandem Nachrichten, der einem digital eine Flinte unter die Nase hält?

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erstellt am 20.Jun.2016 | 18:42 Uhr

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