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"Retargeting" : Wenn die Werbung den Nutzer verfolgt

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Werbung, die den Nutzer durch das Internet verfolgt: Was für die Werbebranche immer interessanter wird, ist Datenschützern ein Dorn im Auge.

Nehmen wir an: Wir suchen im Internet nach einem neuen Fahrrad. Wir kaufen keines, aber siehe da, nach einer Anfrage bei einer Suchmaschine gibt es plötzlich überall und immer wieder passende Fahrrad-Angebote - auf allen möglichen Seiten, die wir besuchen: Suchmaschinen, Online-Shops, Email-Dienste. Die Werbung für das Fahrrad, das wir einmal gesucht haben, verfolgt uns nun über Tage auf unseren Surf-Reisen durchs Internet.
"Retargeting" heißt diese neue Form der Werbung, die die Online-Handelsbranche verzückt - und die User gehörig nerven kann. "Retargeting" funktioniert, weil unser Internet-Browser speichert, wo wir surfen und auf welche Angebote wir geklickt haben. Und zwar dauerhaft, dafür sorgen auf dem Computer abgelegte spezielle Code-Zeilen, sogenannte Cookies.
Was für die Branche ein Traum sein kann - vielen Datenschützern ist es ein Graus. Auch wenn es Nutzer gibt, die es durchaus schätzen, speziell auf ihre Interessen abgestimmte Werbung zu sehen, wissen viele doch nicht, warum das passiert.
"Näher an der Kaufentscheidung der Konsumenten"
"Wir sehen im Bereich des Retargeting eine deutliche Steigerung in der Nachfrage", sagt Heiko Genzlinger von Yahoo Deutschland. Auch Google, Marktführer unter den Suchmaschinen, stellt allen seinen Anzeigenkunden die "Retargeting"-Technik zur Verfügung. "Wenn ein möglicher Kunde den Store eines Sportschuhherstellers besucht hat, dann aber doch nicht gekauft hat, kann der Hersteller dem User beim nächsten Mal genau dieses Paar Schuhe zum Beispiel zu einem günstigen Preis anbieten", sagt Lena Wagner, Sprecherin von Google Deutschland.
"Damit sind sie natürlich näher an der Kaufentscheidung der Konsumenten", sagt Cordelia Wagner vom Werbevermarkter IP Deutschland. Interessant seien beispielsweise auch Spezialseiten für Bankprodukte. Wer auf solche Seiten schaue, habe wohl Erfahrung mit Geldanlagen. Dann lohne sich personalisierte Werbung.
"Man könnte von Stalking sprechen"

Harsche Kritik übt hingegen Thomas Duhr von United Internet Media, dem Betreiber verschiedener Web-Dienste wie web.de und gmx.net: "Faktisch wird der anonyme Nutzer beim Retargeting markiert und auf Basis dieser Markierung dann im Netz quasi mit auf sein Profil abgestimmter Werbung verfolgt - man könnte hier auch leicht von Stalking sprechen." Google und Yahoo sagen, sie nähmen die Kritik ernst. "Natürlich muss man Aufklärung betreiben, damit jeder das auch weiß", fordert Wagner.
Datenschützer sehen diese Art von Werbemethoden naturgemäß ebenfalls kritisch. Der Landesbeauftragte für den Datenschutz in Schleswig-Holstein, Dr. Thilo Weichert, kritisiert den Mangel an Transparenz: "Nach geltendem Recht müssen die Verbraucher solcher personalisierten Werbung widersprechen können. Gerade Werbe-Angebote aus den USA informieren Nutzer aber nicht." Der Datenschützer empfiehlt Internet-Surfern deswegen, ihren Browser so einzustellen, dass beim Schließen automatisch alle Cookies und damit die über sie gesammelten Informationen gelöscht werden. Auch Google bietet eine Erweiterung für die gängigen Internet-Browser, die die Retargeting-Cookies deaktiviert.
"Grundsätzlich muss man wissen, dass man bei vermeintlichen Gratisangeboten, wie Google oder Facebook, meist mit seinen privaten Nutzerdaten bezahlt", warnt Weichert.
Allerdings hat das "Retargeting" auch für die Anbieter einen Haken: Letztlich weiß keine Firma, wer genau nach einem Fahrrad sucht - ist es die zweifache Mutter, ihr Mann oder der gemeinsame Sohn? Nur der Rechner ist identifizierbar, und erst aufgrund der Suchbegriffe wird aus einer IP-Adresse ein potenzieller Käufer.

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erstellt am 29.Jan.2011 | 11:19 Uhr

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