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Gellners Netzwelt : Wenn die Wahrheit kleben bleibt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wie rechten Hetzern bei Facebook eine Falle gestellt wurde – und sie blind hineintappten.

Ein rechter Mob blockiert einen Bus mit Flüchtlingen in Clausnitz, in Bautzen freuen sich Bürger darüber, dass eine Asylunterkunft abbrennt. Im Internet werden Gerüchte um Flüchtlinge zig-fach geteilt und kommentiert. Asylbewerber leben in teuren Hotels und kriegen Freikarten fürs Bordell? Völlig absurd. Aber viele glauben es blind.

Wer so blöd ist, muss bestraft werden. Das mag sich das Kollektiv Anonymous gedacht haben, dem folgende Aktion zugeschrieben wird – so simpel die Idee, so genial die Umsetzung: Ein Aktivist postet am Wochenende ein Foto eines vermeintlichen 200-Euro-Gutscheins für Flüchtlinge des Sozialamts Chemnitz. 200 Euro! Gutschein! Für Flüchtlinge!, lesen die Hetzer und sehen rot. Die Rechnung geht auf, in der rechten Ecke der Facebook-Gemeinde verbreitet sich der Post schnell – trotz vieler Hinweise auf einen Fake.

Dann aber ändert „Micha Gerlach“ – unter diesem Namen lief das Profil, mittlerweile ist es wieder gelöscht – das Foto. Statt des Gutscheins ist auf jedem Profil der Satz „Ich bin ein strohdummer Nazi. Ich verbreite Hetze über das Internet und teile sämtlichen Dreck ohne Überprüfung“ zu lesen. Spätestens dann dürfte auch der letzte Hetzer erkannt haben, dass er da in eine Falle getappt ist – wie ein Bär, der vom Honig gelockt mit der Pfote im klebrigen Napf hängen bleibt.

Eine geniale Aktion, die zur richtigen Zeit kommt – auch weil die Zahl der Beschwerden wegen volksverhetzender Inhalte im Netz noch weiter gestiegen ist. Wie die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter erst am Montag mitteilte, hat sie sich von 2014 auf 2015 verdreifacht. Bleibt zu hoffen, dass die Aktion im Gedächtnis bleibt.

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erstellt am 23.Feb.2016 | 19:18 Uhr

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