zur Navigation springen

Werbung per Navi : Wenn das Auto mitdenkt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Wenn Autos ans Internet angeschlossen sind, können aus simplen Daten lukrative Geschäftsmodelle entstehen.

von
erstellt am 26.Nov.2015 | 08:00 Uhr

Das vernetzte Auto wird immer mehr zum klugen Beifahrer. Nicht etwa, dass es jetzt anfängt, am Fahrstil zu mosern, während es den Sitz vollkrümelt – es übernimmt vielmehr die nützlichen Aufgaben des Co-Piloten. Wie umfahre ich den erneuten A7-Stau in Richtung Hamburg? Wann sollte man am besten eine Tankstelle ansteuern, wenn noch kilometerweise Einöde vor einem liegen? Besonders für Fahrer von Elektroautos könnte dies die Reise erleichtern.

Doch wo Kommunikation ist, ist meist auch Werbung nicht weit. Entwickler arbeiten zurzeit daran, wie das vernetzte Auto dem Fahrer nicht nur die Basics für eine zügige und stressfreie Fahrt verrät, sondern beispielsweise Tankstellen eine Werbemöglichkeit bietet. Der IT-Riese IBM entwickelte für die Autobauer eine Plattform, mit der solche Dienste kommerzialisiert werden können. Ein Tankstellen-Betreiber kann dann damit dem Kunden nach dem Tanken einen Coupon für einen Kaffee schicken, erläutert der zuständige IBM-Manager Dirk Wollschläger. Mehr noch: Erkennt das Auto anhand der benutzten Isofix-Halterung, dass ein Kindersitz angeschlossen ist, könnte auch der Saft günstiger angeboten werden. Doch was für den einen ein verlockendes Angebot ist, empfindet der nächste bereits als Bevormundung. Der Datenschutz könnte ein wichtiges Differenzierungs-Merkmal werden, ist Wollschläger überzeugt. Dabei gebe es kulturelle Unterschiede zwischen Europa und den USA. Ein Kollege habe ihm erzählt, wie das Auto ihm in Kanada anbot, die nächste Abfahrt zu nehmen, weil es dort in einem Laden einen Artikel gab, den er sich zuvor im Internet angesehen hatte. „Er war begeistert, hier würden das viele völlig unmöglich finden.“

Doch zunächst wittern die Autohersteller das große Datengeschäft: „Ihr Mercedes kennt ihren Arbeitsweg, Ihren Fahrstil, Termine, Musikgeschmack“, zählt Daimler-Konzernchef Dieter Zetsche auf. All diese Informationen wolle Daimler noch besser vernetzen. „Allein der Autositz könnte selbstständig einige Vitaldaten seines ,Besitzers’ checken“, beschreibt Zetsche eine Zukunftsvision.

Es erklärt sich fast schon von selbst, dass auch Google auf diesem Markt unterwegs ist. Der Internet-Riese arbeitet schon sein geraumer Zeit daran, Smartphones mit Betriebssystem Android möglichst weit mit dem Auto kompatibel zu machen – nicht nur für Musik und Telefonie. Google möchte am liebsten auch die Daten der Tankanzeige – bekommt sie aber nicht, heißt es immer wieder in der Autobranche. Beim Internet-Konzern beteuert der für Android Auto zuständige Manager Patrick Brady allerdings, Google habe gar nicht vor, Geschäft mit Tankstellen-Vermittlung über die Navigationsanlage zu machen. „Wenn man einen Dienst für die Interessen der Werbekunden optimiert, vernachlässigt man den Nutzer“, warnt der Google-Mann. Das sei der falsche Weg. Dem Konzern gehe es bei seinem Interesse am Tank-Füllstand nur um Navigation. „Wenn Google wüsste, dass die Tankanzeige niedrig ist, könnte die Route entsprechend berechnet werden“, sagt Brady. „Die Leute sehen ja, wo die Tankanzeige steht – aber sie müssen dann selbst nach einer Tankstelle zu suchen.“

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen