Maas' Netzwelt : Weltmeister im Warten

bma-autorin

Das Leben war nicht leichter ohne Smartphone. Und Schleswig-Holstein ist sowieso ein Sonderfall.

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12. Mai 2015, 04:00 Uhr

Selbst das durch kleine Inseln unterbrochene Funkloch namens Schleswig-Holstein kann mich nicht abhalten: Wenn ich irgendwo ankomme und es noch nicht losgeht, schaue ich auf mein Smartphone. Was machen die anderen? Wie wird morgen das Wetter? Und lohnt sich das Warten auf die Bahn überhaupt – oder streikt wieder Herr Weselsky? Manchmal bekomme ich Antworten, manchmal nicht, oft sehr langsam. Dieses Bundesland lehrt Demut vor mobilem Datentransfer.

Damit haben wir großes Glück, sagen Kommunikationswissenschaftler. Warten macht demnach clever, kreativ und kunstaffin.

Doch so einfach ist es nicht. Entschleunigung ist ja gut und schön. Aber: Nicht erst seit dem Smartphone wird Zeit totgeschlagen. Und denken hilft nicht immer jedem. Den neuesten Adelstratsch erfährt man traditionell aus Magazinen im Zahnarzt-Wartezimmer. Ob das klüger macht? Wahrscheinlich nicht, aber man denkt nicht an den Bohrer.

Ich fahre häufig mit der Bahn. Als ich neulich meine Zeitung beim Aussteigen in dieser weitgehend internetfreien Zone liegen ließ, grollte ein Mann: „Unmöglich, einfach seinen Müll liegen zu lassen!“ Müll? Ich wollte einfach meinem Nächsten die Wartezeit sinnvoll verkürzen. Aber das ist ja neuerdings verpönt.

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