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Frankfurter Städel Museum : Web-Talkshow auf Youtube – Wenn Gemälde sprechen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Schräg oder doch eine gute Idee? Das Frankfurter Städel Museum nutzt die Videoplattform Youtube – auf ungewöhnliche Weise. Bei „Talk in Rahmen“ kommen Gemälde zu Wort.

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erstellt am 04.Sep.2015 | 10:43 Uhr

Gemälde hängen normalerweise über dem Sofa, wenn sie aber stattdessen darauf „sitzen“, ist im wahrsten Sinne des Wortes etwas aus dem Rahmen gefallen. „Ziemlich schräg“ denkt man beim Betrachten des neuen Videoangebots des Frankfurter Städel Museums auf Youtube. Eines der renommiertesten Ausstellungshäuser der Welt hat eine Web-Talkshow mit dem Titel „Talk im Rahmen“ ins Netz gestellt. Die Gäste sind Gemälde.

Die Web-Talkshow „Talk im Rahmen“ ist durchaus sehenswert: In der ersten Folge spricht Moderator Gert Scobel (3sat) mit Künstlerin Ottilie Roederstein (Selbstbildnis), der Venus (von Lucas Cranach d. Ä) und einem Witwer (geschaffen von Carl Spitzweg). Die drei Bilder sollen ihre Meinung zum Thema Emanzipation äußern. Schon nach kurzer Zeit entwickelt sich ein Streit wegen der Venus, die recht freizügig im Fernsehstudio auftritt. „Wir können nicht ernsthaft über meine Lebenserfahrung als emanzipierte, lesbische Frau zu Beginn des 20. Jahrhunderts sprechen, solange sich diese Möchtegernheilige zu meiner Rechten nicht verhüllt“, echauffiert sich Frau Roederstein. Die Venus entgegnet: „Wie bitte! Ich trage doch einen Schleier. Schauen sie doch mal richtig hin.“ Und der Witwer, dieser Schlawiner, betont: „Ein ganz schöner Schleier.“ Moderator Scobel bemüht sich, den Streit zu schlichten und lässt die Venus kurzerhand an den entscheidenden Stellen verpixeln.

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Auch über Humor. Und so wie die Gemälde selbst in einen Streit geraten, gibt es auch unterschiedliche Meinungen zu der Web-Talkshow. „Uns war klar, dass wir mit der Talkshow polarisieren werden“, sagt Axel Braun, Pressesprecher des Städel Museums. Einerseits gab es prompt Kritik von der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ): „Gemälde, die ,ich’ sagen, auf Sofas sitzen und mit verstellter Stimme sprechen – wer denkt sich so etwas aus?“, schreibt Julia Voss, die stellvertretende Leiterin des Feuilletons. Städel-Pressesprecher Braun weist daraufhin, dass das FAZ-Feuilleton nicht zu der Zielgruppe gehöre, die man mit den Videos ansprechen wolle. Andererseits fielen die Reaktionen im Internet bislang durchweg positiv aus. 2500 Mal wurde die erste Folge der Talkshow bisher auf Youtube angeschaut. Auf der Facebook-Seite des Städel Museums gefällt knapp 400 Abonnenten der Clip, der 80 Mal geteilt und 25 mal kommentiert wurde. „Sensationell“ schreibt ein User.

Das Städel Museum geht damit in den sozialen Netzwerken neue Wege auf dem Gebiet der Kunstvermittlung. In Schleswig-Holstein und Hamburg gibt es zwar keine vergleichbare Talkshow im Internet, aber immerhin sind die Ausstellungshäuser des Nordens online auf verschiedene Weisen aktiv. Zum Beispiel kommunizieren die Hamburger Deichtorhallen nicht nur mittels Instagramm und Facebook mit ihren Zielgruppen, sondern pflegen außerdem Kanäle bei Twitter, Google Plus, YouTube, Flickr und Soundcloud, um Kunstvermittlung optimal zu betreiben.

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