Dreyklufts Netzwelt : Was Kafka mit der NSA zu tun hat

Franz Kafka ist nur 40 Jahre alt geworden.
Franz Kafka ist nur 40 Jahre alt geworden.Foto: dpa

Ein Geheimgericht, bei dem die Anwälte nicht wissen, wie die Gegenseite argumentiert: Klingt nach Kafka? Ist es auch. Aber nicht nur.

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26. Mai 2015, 14:21 Uhr

Vieles zum Thema Internet-Überwachung ist absurd. Gerne werden Vergleiche gezogen zwischen dem, was George Orwell sich in „1984“ ausgedacht hat und dem, was Edward Snowden aufdeckte. Der „Big Brother“ heißt NSA, und wir sind so blöd, dass die wir uns die orwellschen Teleschirme in Form von Smartphones selbst kaufen. So weit, so lustig.

Viel lustiger, aber auch viel smarter und deshalb erhellender, ist die Idee von Journalisten der „Washington Post“. Die haben als literarische Vorlage nicht „1984“ genommen, sondern „Der Process“ von Franz Kafka, jenem unvollendeten Meisterwerk, in dem die Hauptfigur Josef K. einen absurden Prozess vor einem Geheimgericht erleiden muss.

Das Kafka-Gericht unserer Realität heißt FISC – Foreign Intelligence Surveillance Court. Dieses Gericht soll NSA und FBI kontrollieren. Es tagt geheim, und es ist nur eine Partei vor dem Richter anwesend: die Regierung. Von der Entscheidung Betroffene werden nicht vor den Richtern gehört und meist nicht informiert. In weniger als einem Prozent werden die Anliegen von FBI und NSA zurückgewiesen. Die Richter werden ohne Parlamentskontrolle vom Obersten Richter ernannt.

Die Washington Post macht sich den sehr ernsten Spaß, den FISC mit dem von Franz Kafka erdachten Gericht in einem Quiz (hier geht es zum Quiz der Washington Post) zu vergleichen. Kostprobe: Auf wen trifft diese Aussage zu: Anwälte müssen auf geheime Unterlagen der Regierung antworten, ohne sie lesen zu dürfen? Sie ahnen die Antwort.

Das Quiz nährt auf unterhaltsame Art meine These: Wir sollten es nicht als selbstverständlich voraussetzen, in einem freien, demokratischen Rechtsstaat leben zu dürfen.
 

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