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Britische Studie : Warum Youtube gesünder ist als Instagram

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Mobbing, Neid, Selbstzweifel: Social Media hat seine Tücken. Britische Forscher sehen aber auch Positives.

Es gibt beinahe unzählig viele soziale Netzwerke – und wahrscheinlich noch mehr Studien darüber, ob und in welcher Form sich Facebook, Instagram & Co. auf die Psyche der Nutzer auswirken. „Negativ“ lautet dann häufig die Erkenntnis: Sie sollen einsam und neidisch machen oder gar krankhafte Tendenzen wie depressives Verhalten oder Anorexie fördern, insbesondere bei jungen Nutzern. Das bestätigt nun auch eine neue britische Studie der gemeinnützigen Organisation „Royal Society for Public Health“ (RSPH) und der Initiative „Young Health Movement“. Sie stellt aber auch heraus: Youtube hat – im Gegensatz zu den anderen Social-Media-Riesen – positive Auswirkungen auf die Psyche seiner Nutzer. Am schlechtesten scheidet Facebooks Foto-Plattform Instagram ab.

Soziale Netzwerke sind Teil des Alltags, sie bilden aber nicht immer die Realität ab. Bewegen sich Nutzer zu viel in einer geschönten, virtuellen Welt, kann dies zu einem verzerrten Selbstbild führen.

Laut den Wissenschaftlern nahmen Angstzustände und Depressionen in den vergangenen 25 Jahren um 70 Prozent zu – sie sehen einen klaren Zusammenhang zwischen diesen Raten und der technischen Entwicklung. 91 Prozent der befragten Jugendlichen zwischen 16 und 24 Jahren sind bei den Diensten aktiv – für sie gehören die Netzwerke inzwischen zur Lebenswirklichkeit dazu:

Die meisten der befragten Teenager sind sich einig: Youtube biete eine gute Plattform, um sich selbst auszudrücken und eine soziale Community zu bilden. Besonders negativ: Der Videodienst hält seine Nutzer vom Schlafen ab. Mit diesem Nachteil ist Youtube aber nicht allein auf weiter Social-Media-Flur: Auch Facebook, Snapchat, Twitter und Instagram konfrontieren die Nutzer mit dem Teufelskreis aus negativen Gefühlen wie Neid oder Selbstzweifel, dem sozialen Druck, in der Menge der Nutzer mit scheinbar perfekten Leben nicht ungesehen unterzugehen, und der Angst, etwas zu verpassen, wenn man offline ist. Einer von fünf Jugendlichen wacht in der Nacht auf, um Nachrichten auf seinen Social-Media-Kanälen zu checken.

Instagram hebt sich laut der Studie hierbei aber besonders negativ hervor, produziert in besonderem Maße Minderwertigkeitskomplexe und kultiviert ein fragwürdiges Körperbild. Viele Nutzer inszenieren sich und ihren Körper mit bearbeiteten Fotos als erstrebenswertes Ideal. „Jeden Tag teilen Menschen aus aller Welt ihre persönlichen Geschichten zu psychischen Problemen und Herausforderungen auf Instagram mit einer Community, die für sie da ist“, heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme von Instagram gegenüber shz.de. Man arbeite mit Experten zusammen, um den Nutzern die Werkzeuge und die Informationen an die Hand zu geben, die sie brauchen. „Diese beinhalten auch die Möglichkeiten, Beiträge zu melden, Unterstützung für einen Freund, um den man sich sorgt, zu finden oder direkt mit Experten in Kontakt zu treten, um sie um Rat zu bitten, wenn man mit einem Problem zu kämpfen hat.“

Auch Cybermobbing wird von den jungen Nutzern als Auslöser für mentale Probleme und sogar daraus resultierende Nöte in der Schule genannt. Dafür bieten soziale Netzwerke eine Plattform – allen voran Facebook: Hier werden Nutzer laut Studie doppelt so häufig gemobbt wie bei der Konkurrenz.

Doch es gibt nicht nur negative Auswirkungen: Die Befragten gaben an, im sozialen Web Zugang zu Wissen zu bekommen und zu erfahren, dass sie mit ihren Sorgen nicht allein sind. Vielmehr profitierten sie sogar von Gruppen, in denen es Hilfestellung gebe oder die den Kontakt zu Gleichgesinnten erleichtere. Insbesondere schüchterne Nutzer profitierten von den Möglichkeiten der digitalen Kontaktaufnahme.

„Social Media ist zum Raum geworden, in dem wir Beziehungen aufbauen, Identität formen, uns ausdrücken und über die Welt um uns herum lernen. Er ist untrennbar mit unserer geistigen Gesundheit verbunden“, sagt Studienleiterin Shirley Cramer.

Und weil das so ist, fordern die Forscher, dass sich Politik, Konzerne und Gesellschaft mit der Problematik auseinandersetzen. Statt die Netzwerke und ihre Wirkung zu verteufeln, könne man die Nutzer beispielsweise durch ein Pop-Up-Fenster darauf hinweisen, wenn sie eine bestimmte Nutzungsdauer überschreiten und anzeigen lassen, wie lange sie sich bereits im Social Web aufhalten. Die Konzerne könnten potenziell psychisch erkrankte Nutzer auf Hilfestellen aufmerksam machen. Setze sich ein User auffällig oft mit Themen wie Magersucht auseinander, könne der Algorithmus der Plattform Kontaktdaten von Beratungsstellen einblenden. Außerdem schlagen die Forscher vor, dass Social-Media-Plattformen Fotos, die digital bearbeitet wurden – bei denen zum Beispiel die Taille verschlankt wurde –, kennzeichnen. Zudem solle in Schulen das Thema Medienkompetenz und damit auch der kritische Umgang mit Social Media verstärkt thematisiert werden.

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erstellt am 31.Mai.2017 | 13:18 Uhr

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