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Nach Judenhetze gegen Jonathan Weisman : Warum Twitterer ihre Namen in drei Klammern setzen

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Aus der Onlineredaktion

Juden werden von Neonazis und Trump-Anhängern auf Twitter gekennzeichnet. Mit als Ersten trifft es den Journalisten Jonathan Weisman. Er wehrt sich - und bekommt massenhaft Unterstützung.

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erstellt am 17.Jun.2016 | 21:30 Uhr

New York | „Hello (((Weisman)))“, wird Jonathan Weisman, stellvertretender Leiter des Hauptstadtbüros der New York Times in Washington, angetwittert. Auf seine Nachfrage, weshalb sein Name in drei Klammern steht, erhält er von dem Account @Rusted_Ovum (mittlerweile gelöscht) die Antwort: „Es ist eine Hundepfeife, du Trottel.“ Weisman wird gekennzeichnet - weil er Jude ist.

 

Eine sogenannte „Dog-whistle-politics“ steckt hinter der Botschaft. Das heißt, nur Eingeweihte können die Bedeutung der durch die Klammern codierten Botschaften verstehen. Suchmaschinen ignorieren die Klammern, die Botschaften können sich ungebremst verbreiten. Zu vergleichen ist das mit einer Hundepeife, deren hochfrequente Töne von Menschen nicht wahrgenommen werden.

Der Journalist Weisman ist nicht das einzige Opfer. Amerikanische Neonazis und Anhänger des republikanischen Präsidentschaftskandidaten Donald Trump haben begonnen, vor allem Nutzernamen jüdischer Journalisten eingeklammert zu twittern. Das passiert gehäuft seit Anfang Juni. Durch die Brandmarkung auf seinem Twitter-Profil erreicht Weisman eine antisemitische Hetze. Dazu hat er einen Artikel veröffentlicht. Er beschreibt darin, wie das Prinzip funktioniert.

Fakebilder zeigen Weisman in der Gaskammer

Der Journalist bekommt durch die Klammern eine Glocke umgehängt. Wenig später wird er mit hetzerischen Nachrichten bombadiert. Weisman schreibt zum Beispiel, dass er ein digital manipuliertes Bild erhalten habe, auf dem gezeigt wurde, wie Donald Trump eine Gaskammer in Betrieb nimmt. Und in der Gaskammer steht Weisman. Auf einem anderen Bild, das mit Photoshop bearbeitet wurde, ist der Eingang zum Konzentrationslager Auschwitz zu sehen. Über dem Tor steht nicht mehr „Arbeit macht frei“, sondern „Machen AmerikaGreat“ - eine Anspielung auf Trumps offziellen Wahlkampfslogan „Make America great again“. Weisman hatte zuvor einen Artikel über Trump mit dem Titel „This Is How Fascism Comes to America“ getweetet.

Die Multiplikatoren der Hassbotschaften zählen zu einer neuen rechtsextremen Bewegung in den USA: Der alt-right-Bewegung. Das „alt“ steht für alternativ, das „right“ für extreme rechte Überzeugungen. Die Anhänger unterstützen Donald Trump, sie sind gegen Multikulturalismus und Einwanderung. Auf Nachfrage der Süddeutschen Zeitung erklärte Weisman per Twitter, dass die alt-right-Bewegung zu häufig in den Medien auftauche: "Ich glaube, es ist wichtig, das Bewusstsein in Sachen Antisemitismus zu schärfen. Die meisten Amerikaner glauben nicht, dass dieser existiert."

Wofür die Klammern stehen

Die Klammern werden von ihren Verbreitern als „Echos“ bezeichnet. So ist es auf der Webseite „Mic“ nachzulesen. Das Portal fragt bei den Betreibern des rechtsgerichteten Podcasts „The Right Stuff“ nach, was sich hinter den Klammern verberge. Die Journalisten erhalten eine Erklärung. Demnach sollen die drei Klammern jeweils eine Form der jüdischen „Zersetzung“ symbolisieren. Die innerste Klammer stehe dafür, dass Juden das Prinzip Familie zerstörten, die mittige für das Zerstören der Nation durch massenhafte Immigration und die äußerste für das internationale Judentum.

Jonathan Weisman will sich gegen die Hetze wehren: „Jüdische Journalisten setzen ihre Namen in Klammern, um zu zeigen, dass wir keine Angst vor diesen Menschen haben und uns nicht für unsere Identität schämen. Je mehr Journalisten das tun, desto weniger einschüchternd sind diese Symbole. Es ist eine Form der kulturellen Aneignung“, twittert er:

Der Aufruf wirkt. Ein Welle der Solidarität bricht sich ihren Bann. Mittlerweile setzen immer mehr Twitterer weltweit ihren Namen in drei Klammern:

 

Weisman, der rund 35.000 Twitter-Follower hat, wolle dem sozialen Netzwerk den Rücken kehren, twittert er am 8. Juni. Er wolle zu Facebook umziehen, wo die „Nutzer ihren Klarnamen angeben müssen und sich nicht hinter Fakereien verstecken könnten, um ihren Hass zu verbreiten.“

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