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Punkte in Flensburg : Warum praktisch niemand den neuen Online-Service des KBA nutzen kann

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Das Kraftfahrt-Bundesamt digitalisiert seine Punkte-Abfrage. Eine schöne Idee - wären da nicht die vielen Hindernisse.

Flensburg | Betritt man das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) in Flensburg, strahlt der Charme der 70er Jahre von allen Wänden. In der Kantine gibt es Hausmannskost und hier und da begegnet einem ein Karostrick-Pullunder. Wer Punkte in Flensburg hat, konnte diese bislang abfragen und erhielt Wochen später einen Brief aus Flensburg. Zwar ist es schon seit 2011 möglich, den Antrag direkt auf der Internetseite auszufüllen, das Ergebnis gab es bislang aber noch immer offline. Dies hat sich am heutigen Donnerstag geändert. Das KBA hat im Jahr 2016 die Digitalisierung für sich entdeckt.

Autofahrer mit einem neuen Personalausweis – also dem im Checkkartenformat – können ihre Punkte im Fahreignungsregister von nun an auch im Internet abrufen und erhalten am Ende eine PDF-Datei mit dem Punktestand. „Es ist ein Service, den Sie nutzen können, wenn Sie die Voraussetzungen dafür erfüllen“, sagte ein Sprecher. Das klingt wenig euphorisch – und in der Tat muss es das auch sein. Denn das Verfahren, seine Punkte einzusehen, gleicht dem Bau eines Kernreaktors. Sicherheit wird hoch geschrieben, der Weg zum eigenen Punktestand ist steinig.

Voraussetzung 1: Neuer Personalausweis und Onlinefunktion

Kleiner Fun Fact zum Anfang: Nur rund 13 Prozent aller Deutschen haben einer Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts Kantar TNS zufolge die Online-Ausweisfunktion für ihren Checkkarten-Perso überhaupt aktiviert. Ein Erfolgsgarant für das neue KBA-System. Immerhin: 45 Millionen Deutsche haben bereits den neuen Ausweis. Der und die Online-Ausweisfunktion sind für das Abrufen der Punkte auf der Seite „kba.de“ nötig. Ein Test des neuen Angebots des KBA scheitert hier das erste Mal.

Voraussetzung 2: Das kompatible Kartenlesegerät

Der zweite Punkt, an dem unser Redaktionstest scheitert: Es wird ein Kartenlesegerät benötigt. Nur vier Prozent der Deutschen haben ein solches Gerät, das auch für die Punkte-Abfrage beim KBA benötigt wird. Das belegen Zahlen vom E-Government-Monitor 2016. In unserer Redaktion gibt es zahlreiche Lesegeräte für SD-Karten, nur leider sind die nicht gemeint. Das erforderliche muss erst gekauft werden. Die Preise im Internet variieren zwischen 15 und 130 Euro. Nein, danke. Wer sich nur informieren möchte, will für den eigentlich kostenlosen Service sicher nicht erst Geld auf den Tisch legen.

Voraussetzung 3: Eine Ausweis-App

Auch an der dritten Hürde scheitert die Onlineredaktion. Es wird ebenfalls eine Ausweis-App mit Pin für den stationären Computer benötigt. Das KBA argumentiert mit datenschutzrechtlichen Vorgaben, die einzuhalten sind und verweist auf den gesetzlich geforderten Identitätsnachweis. „Ich kann doch auch bei einer Bank nicht mit einer E-Mail-Adresse Geld abheben“, sagt der Sprecher. Nein, das kann man nicht. Eine Zugangsnummer und eine Pin haben nach erfolgtem Antrag bisher aber noch für jedes Onlinebanking gereicht. Die Ausweis-App kann man immerhin im Internet herunterladen und ist für PC und Smartphone erhältlich. Einen Punkt auf der Liste können wir also spontan erfüllen. Nutzen können wir die Software allerdings nicht, da die Online-Funktion des Personalausweises nicht aktiviert ist. Der Gang zum Bürgerbüro ist spätestens hier unabdingbar, hat man seine damals mit dem neuen Ausweis zugesandte Pin nicht mehr zur Hand. Die Gebühr für die Freischaltung beträgt sechs Euro.

Dass die Online-Funktion aufgrund des hohen Ansturms demnächst die Server in die Knie zwingt, ist unwahrscheinlich. Auch das KBA scheint nicht an den Erfolg zu glauben, drückt es aber anders aus. „Das Nutzungsverhalten ist schwer einzuschätzen“, sagte der KBA-Sprecher. Es gebe Menschen, die für einen künftigen Arbeitgeber sehr schnell ein punktefreies Konto nachweisen müssten. Richtig, sofern sie die Anforderungsliste des KBA zur Online-Abfrage erfüllt haben. Es erinnert ein wenig an Asterix und Obelix in Rom auf der Suche nach Passierschein A38. Einfacher sind da Systeme wie das Postident-Verfahren, bei dem man sich live am PC mit einem Mitarbeiter verbindet und sich identifizieren lässt.

„Wir digitalisieren die Verwaltung“, nennt Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt den neuen „Service“ des Kraftfahrt-Bundesamtes, der „Zeit und Geld“ sparen soll. Eigentlich fehlt bei den Voraussetzungen auch noch die Einsendung einer DNA-Probe. Wenn beim Bund so Digitalisierung verstanden wird, dann möchte ich doch lieber wieder den Postweg nehmen. Das könnte am Ende schneller sein.

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erstellt am 08.Dez.2016 | 16:22 Uhr

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