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Dreyklufts Netzwelt : Warum Ermittler Stille SMS mögen

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Wie Fahnder immer mehr Bewegungsprofile erstellen. Mit einer Anleitung zur Selbstüberwachung.

Es ist schon fast ein Ritual: Zwei mal im Jahr fragt die Bundestagsfraktion der Linkspartei ab, wie viele Stille SMS Ermittlungsbehörden und Geheimdienste verschicken. Doch diesmal ist es besonders interessant. Noch nie wurden so viele Stille SMS verschickt wie im ersten Halbjahr 2016. Auffällig: die Zunahme bei der Bundespolizei. (Hier der Bericht auf netzpolitik.org, und hier die Antwort der Bundesregierung im Original einschließlich einer Begründung, warum viele der Fragen nicht öffentlich beantwortet werden)

Was sind Stille SMS überhaupt? Es sind SMS, deren Empfang das Handy nicht anzeigt. Ursprünglich als eher theoretische Möglichkeit für Zusatzdienste entwickelt, sind sie heute, je nach Lesart, ein Top-Instrument zum Ausspionieren oder ein hilfreiches Mittel zur Bekämpfung von Terrorismus und schwerer Kriminalität. Damit die SMS zugestellt werden kann, erzeugt sie, wie bei jeder SMS, einen Datensatz mit Standortdaten, der per richterlichem Beschluss bei den Netzbetreibern abgefragt werden kann.

Das nimmt an Beliebtheit zu. 210.261 Mal wurden Stille SMS im ersten Halbjahr verschickt: Die Zahl der von der Bundespolizei verschickten hat sich mit 92.027 im Vergleich zum Vorhalbjahr mehr als verdoppelt.

Die Linken-Fraktion glaubt, dies liege an der zunehmenden Überwachung von Menschen, die Geflüchteten helfen. Möglich ist aber auch, dass gar nicht mehr Menschen überwacht werden, sondern dass zunehmend nicht nur Standort-, sondern Bewegungsprofile erstellt werden. Denn dafür braucht es nicht eine, sondern viele SMS.

Wie sähe ein solches Profil für mich aus? Eine Anleitung zur Selbstüberwachung

Wer ein Android-Smartphone besitzt, gibt in der Regel Google seinen Standort und damit auch den Standortverlauf preis.

Diese Funktion lässt sich ein- oder ausschalten.

Auf dem Android-Smartphone: Einstellungen -> Google -> Standort.

Auf dem Desktop: hier (für das gesamte Google-Konto)

An dieser Stelle auf „Verlauf verwalten“ klicken.

Oben rechts lässt sich ein Datum oder Zeitraum einstellen.

In der Regel sehen Sie jetzt Verläufe aus der Vergangenheit. Deren Genauigkeit hängt von Ihren Einstellungen ab. Die Genauigkeit ist dann am höchsten, wenn Sie GPS eingeschaltet haben.

Auf dieses Daten können die Fahnder aber gar nicht zugreifen. Stellen Sie deshalb am Smartphone GPS aus und fahren ein paar Tage in der Gegend herum. Jetzt ist die Ortung in erster Linie auf die Funkzellendaten angewiesen, entspricht also der Genauigkeit der Stillen SMS. Google nutzt aber außerdem WLAN-Daten, um die Genauigkeit zu verbessern.

Allgemein lässt sich sagen: Auch ohne GPS-Unterstützung ist die Ortung in der Stadt recht genau, etwa auf wenige hundert Meter. Auf dem Land wird es dann oft aber sehr ungenau, weil dort die Funkzellen weiter auseinander liegen.

 

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erstellt am 16.Aug.2016 | 18:13 Uhr

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