Henningsens' Netzwelt : Warten auf das Google-Netz

Ralf Henningsen ist Redakteur in der Zentralredaktion unserer Zeitung.
Ralf Henningsen ist Redakteur in der Zentralredaktion unserer Zeitung.

Wenn Telekom, Vodafone und Co. es nicht schaffen, müssen Google und Facebook uns wohl schnelles Internet bringen, meint Kolumnist Ralf Henningsen.

shz.de von
03. Juni 2014, 04:00 Uhr

Es klingt jedes Mal ein bisschen unheimlich, was aus dem geheimnisumwitterten Labor Google X  oder aus der Küche von Mark Zuckerberg an die Öffentlichkeit dringt. Satelliten, Drohnen und Heißluftballons wollen die beiden Internetgiganten aus Kalifornien aufsteigen lassen, um auch den entlegensten Winkel der Erde mit Internet zu versorgen. Am Geld soll’s nicht scheitern. Wer reale 14 Milliarden Euro für einen virtuellen Dienstleister wie Whats App zahlt, hat auch das Geld für 180 Satelliten über. Oder doppelt so viele, je nachdem, welche Datenraten  in  Iglus und  Tipis abgefragt werden.

Dabei gibt es eigentlich schon ein weltumspannendes Kommunikationsnetz: Iridium, bestehend aus 66 Satelliten, die auf sechs Umlaufbahnen in 780 Kilometern Höhe über unsere Köpfe hinwegfliegen und sogar an Nord- und Südpol für besten Empfang sorgen. Die Idee wurde 1985 vom amerikanischen Handyerfinder Motorola geboren und ging 1998 in Betrieb. Und zwei Jahre später pleite.    Die Satelliten sollten eigentlich im März 2000 in die Erdatmosphäre umgelenkt werden und verglühen – eine Art Hightech-Müllverbrennung. Auf Druck der Öffentlichkeit (und weil Prinz Frederik von Dänemark gerade mit Iridium-Handy und Hundeschlitten in Grönland unterwegs war), wurde das Netz nicht abgeschaltet. Es funkt bis heute, weil das Pentagon nochmal kräftig Geld zugeschossen hat. Iridium erreicht Datenraten von 128 Kilobit pro Sekunde  – ein Tempo, mit dem wir vor 15 Jahren am heimischen ISDN-Anschluss glücklich und zufrieden waren.

Allerdings – glücklich wären wir heute auch, wenn die vier Mobilfunker Telekom, Vodafone, E-Plus und O2 uns zumindest deutschlandweit 128  kbit/s ohne Funklöcher garantieren würden. Ich fürchte, Google & Facebook kommen ihnen zuvor.

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