Deutscher Lehrerverband : Warnung vor Porno-Links auf Wikipedia

Bei der Recherche für Hausaufgaben ist Wikipedia kaum noch wegzudenken. Doch Lehrer warnen: Neben den umfassenden Informationen ist auf den Seiten des Online-Lexikons an einigen Stellen pornografisches Foto- und Videomaterial vorhanden.

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03. Juni 2014, 04:00 Uhr

Berlin | Schwere Anschuldigungen für das weltweit meistgenutzte Online-Nachschlagewerk Wikipedia: Der Deutsche Lehrerverband (DL) warnt Eltern und Lehrer davor, dass Kinder und Jugendliche bei der Recherche auf der Bildungsplattform auf pornografisches Material stoßen könnten. Wikipedia müsste deshalb noch intensiver als bislang klarmachen, „dass Wikipedia als Quelle für Schülerarbeiten völlig unzulänglich ist und sich damit keineswegs gute Zensuren machen lassen“, sagte DL-Präsident Josef Kraus in einer gestern veröffentlichten Pressemitteilung.

Hintergrund ist der Bericht eines Fachmagazin für Lehrer. „News4teachers“ hat zahlreiche pornografische Bilder und Videos auf der Plattform gefunden, die auf Platz sechs der weltweit meistbesuchten Websites steht. Wer pornografisches Bildmaterial im Internet sucht, werde auch über das Internetlexikon fündig, heißt es in dem Bericht. So gelangen Nutzer, die das Stichwort „Ejakulation“ bei Wikipedia suchen, nicht nur auf den fachlich geschriebenen Beitrag, sondern auch über einen Link zu einer Bild- und Videosammlung der dazugehörigen Wikimedia-Seite, die die technische Infrastruktur des Online-Lexikons betreibt. „Und dort erscheinen dutzende Fotos und Videos von männlichen, erigierten Geschlechtsteilen in Aktion“, schreibt das Bildungsmagazin. Ähnliche Links und Fotos seien unter dem Stichwort „Penetration“ zu finden. Die Fotos und Videos seien nicht nur erotisches, sondern gar explizit pornografisches Bildmaterial mit zum Teil reißerischen Bildunterschriften. Die Autoren bezweifeln bei den meisten Bildern den Informationszweck: „Die Bildunterschrift 'Splitternackte junge Frau, tanzend' etwa scheint mit reiner Wissensvermittlung wenig zu tun zu haben.“

Für DL-Präsidenten Josef Kraus stellt der Bericht die Schwarm-Intelligenz der Plattform infrage. Er empfiehlt Eltern, regelmäßig hinzuschauen, was ihre Kinder im Netz recherchieren. „Wikipedia muss entsprechende pornografische Inhalte schleunigst entfernen“, forderte Kraus, der nach eigenen Angaben 160.000 Lehrer in Deutschland vertritt. Auch die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien müsse sich mit der Angelegenheit befassen und die Schulminister sollten mit ihren dienstlichen und publizistischen Organen Lehrer und Eltern umgehend auf die Problematik aufmerksam machen, so der DL-Präsident.

Wikimedia-Sprecher Michael Jahn wies auf Nachfrage des sh:z darauf hin, dass Wikipedia ein offenes System sei, das von jedem Internetnutzer bearbeitet werden kann. „Der Hinweis, Eltern sollten darauf achten, was ihre Kinder im Internet tun, hat weniger etwas mit Wikipedia zu tun, als vielmehr mit dem Netz allgemein“, so Jahn. Wikipedia sei eine alltäglich genutzte Informationsquelle geworden, weil seit 2001 viele tausend Freiwillige – auch Lehrer – an ihr arbeiten und sie verbessern. Perfekt sei sie nicht. „Inwiefern die als Beispiele genannten Suchbegriffe relevant für Schülerarbeiten sind, zum Beispiel im Vergleich zu Geschichte, Geografie, Chemie oder Literatur, kann ich nicht für Herrn Kraus beantworten“, so Jahn.

„News4teachers“ zufolge hat die Kommission für Jugendmedienschutz ein Verfahren eingeleitet. Rechtliche Schritte seien jedoch unwahrscheinlich, da die Wikimedia Foundation als Anbieter ihren Sitz in San Francisco und damit im Ausland hat. Demzufolge könnten Hinweise auf Verstöße nur an die dortigen Beschwerdestellen weitergeleitet werden.

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