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Metropolregion Hamburg : Wann sich Pendeln nicht mehr lohnt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ein Onlinerechner soll bei der Entscheidung helfen, wann sich ein Umzug lohnt. Das Projekt der Metropolregion Hamburg startet 2016.

Hamburg | Pendeln liegt im Trend, insbesondere in und um Hamburg: Um mehr als 35 Prozent stieg der Anteil derjenigen, die ihren Wohnsitz außerhalb von Hamburg haben in den letzten 23 Jahren an. Während 1989 noch 237 100 Menschen über die Stadtgrenze zu ihrem Arbeitsplatz innerhalb Hamburgs fuhren, waren es 2012 schon 321 202. Das ergab eine Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) im Auftrag der Hamburger Sparkasse. „Wir stellen fest, dass viele aus der Stadt ins Umland ziehen“, sagt Matthias Winkler vom Hamburger Verkehrsverbund (HVV). Die Menschen hätten jedoch häufig keine Vorstellung davon, wie teuer ein solches Pendler-Leben eigentlich ist.

Hilfe ist aber im Anmarsch – auch wenn es noch etwa eineinhalb Jahre dauert, bis sie in Anspruch genommen werden kann. Ein Pendlerkostenrechner soll aufzeigen, wie viel Aufwand ein Eigenheim beispielsweise in Pinneberg für einen Haushalt bedeutet und ob sich das Pendeln zur Arbeitsstelle in Hamburg dann überhaupt noch lohnt. Dass die Wohnkosten im Umland meist günstiger sind als in Hamburg selbst, sei das eine. „Das ist sehr im Kopf der Haushalte verankert“, sagt Winkler. „Aber sie vergessen häufig die Kosten im Mobilitätsbereich.“

Die Idee zu dem Onlinerechner, der als Teil des Leitprojekts Metropolregion Hamburg entsteht, kam vom HVV. „Weil wir ein großes Interesse an einer attraktiven Anbindung haben“, sagt Winkler. Nicht überall könne man eine Linie unterhalten, die dann kaum genutzt wird. Es gehe den Initiatoren nicht darum, dass alle im Hamburger Stadtgebiet wohnen. „Doch im ländlichen Raum gerät der ÖPNV an seine Grenzen.“ Hier gehe der Verkehr meist in mehrere Richtungen vom Wohnsitz weg. Die Wege zur Arbeit werden länger, das Kind muss in die Schule, der Einkauf erledigt werden, und dann geht es in die Stadt zum Arbeitsplatz – oftmals ist dann ein zweites Auto nötig. Kann sich eine Familie die Anschaffung und den Unterhalt des Zweitwagens nicht leisten oder geht das einzige Auto kaputt, sind Schwierigkeiten vorprogrammiert. Zumindest wenn keine oder nur eine schlechte Anbindung an den ÖPNV vorhanden ist. Das würde die Flexibilität, die in abgelegeneren Gebieten nötig ist, stark einschränken, sagt Winkler. „Das können wir nicht abdecken.“

Ziel des Projektes sei, einen Beitrag zu leisten zur Bewusstseinsbildung über die Auswirkungen des Pendelns auf die Umwelt, die Zeit und das Portemonnaie. „Private Haushalte, die sich mit Umzugsgedanken auseinander setzen, sollen die Chance haben, ihre Kosten vorab konkret zu berechnen.“ Dabei könne dann auch herauskommen, dass es sich beim Pendeln um ein Nullsummenspiel handelt, so Winkler. Mit wenigen Eingaben soll der Nutzer zu einem Ergebnis kommen. Je genauer die Angaben sind und je mehr Felder ausgefüllt werden können, desto differenzierter fällt das Ergebnis aus.

Die Mehrheit der Pendler in Hamburg legt laut der HWWI-Studie eine Strecke von zehn bis 25 Kilometern zum Arbeitsplatz zurück, 13,5 Prozent der Berufspendler benötigen für ihren Weg zur Arbeit weniger als zehn Minuten. Den Hauptanteil (43,4 Prozent) machen in Hamburg jedoch die Pendler mit einer Anfahrt von zehn bis 30 Minuten aus, Platz zwei belegen diejenigen mit einer Anfahrtszeit von 30 bis 60 Minuten (37,7 Prozent).

Das Projekt werde jetzt ausgeschrieben, sagt Winkler, die Entwicklung soll im vierten Quartal 2014 beginnen. Vor den Beteiligten liegen dann noch etwa eineinhalb Jahre Arbeit. Im zweiten Quartal 2016 soll das Portal dann an den Start gehen. „Eine wahnsinnige Flut von Daten“ sei bis dahin einzuholen und einzuarbeiten, sagt Winkler. Die Durchschnittsdaten kommen beispielsweise aus der Immobilienbranche oder von Ämtern und Verwaltungen. Doch auch wenn dieser Datenbestand irgendwann eingepflegt ist, hört die Arbeit nicht auf: Er muss regelmäßig gepflegt werden, denn es handelt sich vielfach um dynamische Kosten wie Miet- und Benzinpreise.

Darüber, wie teuer dieses Projekt wird, macht Winkler wenige Angaben. Nur so viel: Die Kosten liegen im sechsstelligen Bereich, zu 80 Prozent werden diese aus dem Förderfonds der Metropolregion, die Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern sowie Niedersachsen umfasst, bezahlt. Im Ergebnis sollen konkrete Eingaben möglich sein, bis hin zur Angabe des Fahrzeugmodells. Hier ist beispielsweise der durchschnittliche Spritverbrauch auf 100 Kilometer hinterlegt. Es gehe nicht darum, alles auf den Cent genau errechnen zu können, sagt Winkler. Man wolle keine Genauigkeit vorgaukeln, die nicht eingehalten werden könne, „aber wir haben einen hohen Anspruch“.

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erstellt am 02.Aug.2014 | 04:00 Uhr

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