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Fligges Netzwelt : Vorsicht beim Raketenbau

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Der oberflächliche Eindruck trügt: Das Internet ist voller Idealisten.

von
erstellt am 16.Apr.2014 | 19:00 Uhr

Gemeint sind nicht Betreiber von Atomkraft-nein-danke-Portalen oder Tierschützer auf Facebook. Es gibt eine neue Art Technik-Hippies. Statt freier Liebe richten sie sich gegen das Establishment mit der Forderung: freie und kostenlose Software für alle. Ganze Betriebssysteme, Programme zur Fotobearbeitung und Office-Software sind so schon entstanden. Open Source (offene Quelle) nennt sich das und ihre Entwickler leisten damit einen wichtigen Beitrag zur technischen Gleichberechtigung. Etablierte Open-Source-Programme gelten sogar als besonders sicher, weil viele Entwickler auf der ganzen Welt nach Fehlern suchen und die Programme ständig verbessern.

Die aktuelle Sicherheitsdiskussion um den Verschlüsselungs-Fehler "Heartbleed" kratzt nun an diesem Ruf. Hier hat ein Entwickler bei der Arbeit an freier Software einen – wie er sagt – „trivialen“ Fehler gemacht. Der führte jedoch dazu, dass alle Internetnutzer jetzt ihre Passwörter wechseln müssen. So einfach wird aus freier Software riskante Software. Und der Mythos, offene Programme seien generell sicherer als geschlossene Software, ist damit hinüber. Letztlich gewinnen wir aus „Heartbleed“ aber nur die eigentlich nicht neue Erkenntnis, dass wir uns nie sicher sein können und im Internet Vorsicht geboten ist.

Das gilt jetzt auch ganz besonders für den Raketenbau, denn die NASA hat in der vergangenen Woche einen Großteil ihrer Raketenprogramme für alle Internetnutzer verfügbar gemacht – ganz ohne Urheberrecht als Dank an den amerikanischen Steuerzahler. Open Source für Hightech-Projekte also. Aber wer jetzt bereits die Garage frei räumt und Kindheitsträume verwirklicht sieht, sollte daran denken: Auch die NASA macht Fehler.

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