zur Navigation springen

Nach dem Ende von ISDN : VoIP – Ist bald Schluss mit den Faxen?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bis 2018 will die Telekom alle ihre Anschlüsse auf IP, also digitale Übertragung umstellen. Doch die neue Technik hat nicht nur Vorteile. Das Faxgerät könnte weiter an Bedeutung verlieren.

von
erstellt am 17.Okt.2015 | 04:30 Uhr

Das Ende von ISDN ist besiegelt. Die Deutsche Telekom und andere Anbieter wollen den einstigen Standard für Telekommunikation abschalten. Der Konzern spricht vom „Netz der Zukunft“ und meint damit die Breitband-Infrastruktur. Voice over IP (VoIP) nennt sich das Telefonieren über das Internet. Auch Fax-Geräte werden damit über das Internet kommunizieren. Eine Netz-Expertin eines großen IT-Dienstleisters warnt jetzt gegenüber unserer Zeitung: „Wo nur noch VoIP ist, ist das Fax tot.“

Da ein Fax in der neuen Struktur nicht mehr direkt von Gerät zu Gerät, sondern über ein Daten-Netzwerk übertragen wird, erhöhe sich die Gefahr fehlerhafter Darstellung, verzögerter Zustellung und sogar Manipulation, befürchtet die Fachfrau, die ihren Namen in der Zeitung nicht lesen möchte. Dabei sei gerade das das Argument für das ansonsten veraltete Konzept „Fax“: Ein Schreiben wird direkt und mit geringstmöglicher Verzögerung übertragen. Der Sender erhält eine Empfangsbestätigung und kann so weitestgehend sicher sein, dass sein Schreiben angekommen ist.

Das Fax wird deshalb in bestimmten Fällen als Rechtsmittel bei Gericht oder Behörden zugelassen. „Man wird auch weiter faxen können“, hält die Expertin fest. „Aber ist das Fax noch relevant, wenn nicht sicher gestellt ist, dass der Empfänger es bekommen hat oder dass es lesbar ist?“

Der Landesregierung sind Probleme beim Wechsel auf VoIP bekannt, teilt Lars Erik Bethge, Sprecher der Staatskanzlei mit. Seit mehreren Jahren stelle das Land auf IP-Technik um. „Bei der Umstellung treten vereinzelt Probleme auf, die aber regelmäßig behoben werden können.“ Für eine garantierte Zustellung setzt das Land jetzt auf den neuen Fax-Standard T.38. Bethge: „Uns ist nicht bekannt, dass durch diesen Standard die Rechtsverbindlichkeit erlöschen soll.“

Besagtes Protokoll wird von der Telekom aber noch nicht unterstützt, wie Niels Hafenrichter, Sprecher des Unternehmens, mitteilt. Das Unternehmen arbeite an einer Lösung. Viele Fax-Geräte würden heute bei Privatkunden störungsfrei funktionieren. Ob die Rechtsgültigkeit von Faxen erlischt, könne der Sprecher nicht einschätzen. Zumindest die Städte Kiel und Lübeck sollen bis 2016 komplett auf IP-basierte Technologie umgestellt werden.

Zumindest im Bereich der Justiz könnte sich die Frage nach der Rechtsgültigkeit von Faxen bald ohnehin erübrigt haben. Die Gerichte haben sich auf den Weg ins digitale Zeitalter gemacht. Mit der Einführung des elektronischen Rechtsverkehrs soll zum 1. Januar 2018 das Elektronische Gerichts- und Verwaltungspostfach (EGVP) in allen Gerichten zur Verfügung stehen. Mit dieser Software sollen Gerichte und Verfahrensbeteiligte sicher und rechtsverbindlich Nachrichten übermitteln können. „Die Notwendigkeit von Fax-Geräten wird somit stark abnehmen“, sagt Staatskanzlei-Sprecher Lars Erik Bethge.

Für den Rendsburger Fachanwalt für IT-Recht Philipp Gabrys sind Probleme mit dem Fax nicht neu: „Schon vor der Umstellung sind Faxe nicht immer einwandfrei angekommen.“ Anders als bei Bestellungen über Fax sei das Medium zum Beispiel für Kündigungen im Arbeits- oder Mietrecht schon jetzt nicht rechtsverbindlich. Das Risiko fehlerhafter Übertragung gebe es auch bei der neuen Datenübertragung. Der Fachanwalt rät deshalb, im Zweifel in jedem Fall das Sendeprotokoll abzuheften.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen