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PC Schadprogramme – Malware : Viren-Falle: Wie eine Email den Rechner lahmlegt

vom
Aus der Onlineredaktion

Es ist der Albtraum aller Rechner-Nutzer. Hunderte von Mails sprengen das Postfach, alle vom gleichen Absender im Sekundentakt angekommen. Man weiß: Da ist etwas nicht richtig. Ein falscher Klick und es ist passiert.

Glücksburg | 182 Emails in nur drei Tagen – und alle vom gleichen Absender. „Ich habe gedacht, ich wäre gut informiert“, meint Dagmar Kuhlmann, Leiterin der Volkshochschule Glücksburg. Dennoch wurde sie das Opfer von Hackern: Im Sekundentakt waren die Emails Mitte Oktober in das Postfach eingegangen und kamen nach dem Löschen immer wieder.

Einige Tage ging das so, bis der entscheidende Fehler begangen wurde: Kuhlmanns Tochter öffnete aus Neugier eine der Mails. Anfänglich passierte nichts. Da sie auf keinen Link geklick und auch kein Anhang geöffnet hat, hoffte Kuhlmann auf ein Ende des Albtraums.

Die ersten Veränderungen traten eine Woche nach dem Öffnen der Mail auf: Private Nachrichten aus dem Telekom-Postfach von Juli bis Oktober waren verschwunden. Bereits kurze Zeit später konnte der Rechner sich nicht mehr ins Internet einwählen und tat auch sonst nicht mehr das, was er sollte. „Mein Computer hat ein Eigenleben entwickelt“, sagt Kuhlmann. Kurz darauf kam ein Brief von der Telekom, ganz altmodisch, per Post: Das Emailpostfach sei aufgrund von Missbrauch gesperrt worden.

Die Telekom bemerkte den Missbrauch und unterband ihn.
Die Telekom bemerkte den Missbrauch und unterband ihn. Foto: Scan des Telekombriefes
 

Doch Personen aus dem Emailverteiler von Kuhlmann hatten bereits Nachrichten der gleichen Art erhalten. Neben dem privaten Schaden hat Kuhlmann auch mit dem beruflichen Schaden zu kämpfen: Wichtige Daten sind durch den Virus nicht abrufbar.

Inzwischen ist der Rechner still gelegt. „Ich habe zu lange gewartet, einen Fachmann zu rufen“, gesteht sich Kuhlmann ein. Auch wenn der Rechner vorerst außer Betrieb ist, ist der Schrecken noch nicht vorbei. Nun heißt es, möglichst alle Daten von dem betroffenen Rechner zu sichern. Ob der Virus das jedoch zulässt, steht noch aus. Bis heute löscht er weiter Emails aus dem persönlichen Postfach. Bis in den Schlaf hinein verfolgt der Virus Kuhlmann: „Ich habe richtige Albträume.“

 

Gefahren aus dem Netz

 

Welche Gefahren von solchen Emails ausgehen können, wissen André Hojka und Phillip Wilke, Sicherheitsexperten des IT-Dienstleisters Vater Unternehmensgruppe.

Es gebe die sogenannten Phishingmails, die unter falschen Identitäten versuchen, an Bankdaten oder Passwörter des Nutzers zu gelangen, sagt Hojka.

Vorsicht sei auch bei Emails mit Anhängen oder Links unbekannter Herkunft geboten. Diese können einen Schadcode enthalten, der beim Öffnen des Anhangs aktiviert wird.

Die Email ist als Kommunikationsmittel sehr gefragt. Laut des Symantec Security Response, ein weltweites Team aus Sicherheitsingenieuren, Bedrohungsanalysten und Forschern, werden täglich weltweit um die 190 Milliarden Emails versendet, davon sind rund 70 Prozent Spam. Je weiter der Fortschritt voran geht, desto ausgeklügelter werden die Methoden der Hacker: So konnte man früher die gefälschten Emails oft von denen seriöser Anbieter anhand von zum Beispiel falscher Rechtschreibung und Grammatik unterscheiden. Heute jedoch fällt dieses Erkennungsmerkmal meist weg, da sowohl die Hacker als auch die Technik besser werden.

Jeder Nutzer sollte sich über Gefahren aus dem Internet informieren „Wenn man den Rechner einsetzt, muss man mit den Risiken umgehen können“, sagt Phillip Wilke.

 

Sicherheitstipps

Mit der OSX-Firewall können Nutzer alle eingehenden Verbindungen blockieren.
Mit der OSX-Firewall können Nutzer alle eingehenden Verbindungen blockieren. Foto: dpa-infocom

Ein großes „Muss“ ist das Installieren eines Antivirenprogramms. „Ein gutes reicht“, sagen die Experten. „Doch müssen die Updates wahrgenommen und regelmäßig durchgeführt werden.“ Ein weiterer Schritt zur Sicherheit ist die aktivierte Firewall des Betriebssystems. Dieses Programm schützt den Rechner vor ungewollten Netzwerkzugriffen. Ebenso ist es wichtig, nicht auf allen Portalen dasselbe Passwort zu verwenden. Auch das regelmäßige Ändern der Passwörter schützt vor Angriffen von Außen.

Mehr Informationen über den Basischutz für den Rechnern und andere Tipps, finden Sie unter bsi für Bürger

 

 

Auch wenn man umsichtig mit seiner Emailadresse umgeht, besteht die Möglichkeit Opfer von Angriffen zu werden, sagt André Hojka. Nicht nur über Portale können die Emailadressen abgegriffen, sondern auch durch das Zufallsprinzip erraten werden:

Domains – wie @gmx.de oder @t-com.de – sind öffentlich bekannt. Algorithmen, also Programme, die extra dafür geschrieben sind, können nun alle möglichen Kombinationen ausprobieren. Wenn die Adresse verifiziert ist, wird die Email abgeschickt und bleibt als valide Emailadresse für Spammails im Verteiler.

Einen virenfreien Neustart beginnt Dagmar Kuhlmann mit einem neuen Rechner. Auch eine neue Emailadresse hat sie erstellt und ebenso ist ein solider Virenschutz bereits groß eingeplant: „Auf dem neuen Rechner wird alles drauf sein.“

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erstellt am 22.Nov.2014 | 15:50 Uhr

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