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Fligges Netzwelt : Viel Geld für ein Haus ohne Bad

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Das Phänomen „Early-Access-Games“ erobert die Spielewelt. Unser Kolumnist Tobias Fligge kann dem nicht viel abgewinnen.

von
erstellt am 24.Apr.2014 | 04:50 Uhr

Ich gebe zu: Ein bisschen Aufschieben finde ich gar nicht schlimm. Prokrastinieren nennt das die Fachwelt. Was klingt wie eine Krankheit, funktioniert nach meiner Erfahrung in gewissen Fällen als wirksamer Filter, die banalen von den wichtigen Erledigungen zu trennen. Natürlich gibt es einen Unterschied zwischen kontrolliertem Prokrastinieren und chaotischem Verzetteln. Findige Geschäftsleute aus der Software-Industrie haben das Aufschieben als neues Verkaufsmodell für sich entdeckt. Besonders erfolgreich hat sich das Prokrastinieren in der Spiele-Szene entwickelt. Dort können Verbraucher jetzt „Early-Access-Spiele“ kaufen. Das sind Spiele, deren Fertigstellungen mitunter noch mehrere Jahre auf sich warten lassen. Trotzdem bezahlt die Zielgruppe 20 Euro und mehr – viel Geld für letztlich unfertige Produkte. Kleine Entwicklerstudios mit guten Ideen aber wenig Startkapital machen so ein Millionengeschäft. Das schiebt die Entwicklung an, sorgt aber auch für Frust, weil die Programmierer nicht schnell genug arbeiten oder das Spiel anders aussieht, als man es sich anfangs gewünscht hat. Das Rollenspiel „Wasteland 2“ zum Beispiel kostet in der Früh-Version 44,99 Euro. Flüssiges Spielen ist aber durch zahlreiche Fehler noch gar nicht möglich. Dafür ist man sehr nah an der Entwicklung des Spiels, begleitet es von Anfang an, mag man beschönigend sagen. Eigentlich ist das Ganze aber so, als würde ich mir ein Haus ohne Badezimmer kaufen. Wer sich darauf einlässt, kann nur hoffen, dass neben der Bezahlung auch das funktionierende Ergebnis am Ende nicht komplett verzettelt wird.

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