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Online-Werbung : Verleger kämpfen gegen Adblocker

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Adblock-Anbieter sind erpresserische Geschäftemacher“: VDZ-Hauptgeschäftsführer Stephan Scherzer hat eine klare Meinung zu der Software.

Endlich keine nervigen Werbefenster mehr, die beim Besuch einer Internetseite aufploppen, außerdem schnelleres Laden der Seite und weniger Verbrauch des Datenvolumens. Für Nutzer liegen die Vorteile von Adblockern auf der Hand. Nach Apples Safari-Browser kann nun auch im vorinstallierten Browser von Samsung-Smartphones ein Adblocker-Plugin installiert werden. Doch es gibt auch eine andere Seite – die derjenigen, die auf den Verkauf von Werbung angewiesen sind.

„Adblock-Anbieter sind erpresserische Geschäftemacher, die unter dem Deckmäntelchen des Verbraucherschutzes auf dem Rücken der Inhalteanbieter Profit machen“, sagte der Chef des Verbandes Deutscher Zeitschriftenverleger VDZ, Stephan Scherzer, deutlich. Die Anbieter lägen mit ihren Produkten im Trend. Aber: „Sie nehmen durch Ausfiltern der Werbung den Publikationen jede Chance, die journalistischen Inhalte durch Werbung zu finanzieren.“  Neben juristischen Schritten werde vor allem Zeit und Geld in die Information der Nutzer, technische Lösungen und in neue Werbeformate investiert, sagt VDZ-Chef Scherzer.

bild.de hatte im vergangenen Oktober hart durchgegriffen und Nutzer eines Anzeigen-Blockers von seinem Angebot ausgesperrt. Alternativ wird ein monatliches, nahezu werbefreies Abo angeboten. „Auch im Netz müssen sich journalistische Angebote über die beiden bekannten Erlössäulen, nämlich Werbe- und Vertriebseinnahmen, finanzieren, um weiterhin unabhängigen Journalismus zu bieten“, erklärte Donata Hopfen, Vorsitzende der Verlagsgeschäftsführung der Bild-Gruppe. Nach Angaben einer Verlagssprecherin nutzen etwa 23 Prozent der bild.de-Leser Adblocker. Auch der Fernsehsender RTL griff bereits durch und zeigte Zuschauern, die im Internet das Dschungelcamp sehen wollten, die Sendung nur dann in voller Größe, wenn sie keinen Adblocker installiert hatten. Alle anderen mussten sich mit einem kleinen Format zufrieden geben.

Adblocker sind vielen Verlagen schon länger ein Dorn im Auge. Der Axel-Springer-Verlag hält insbesondere das Geschäftsmodell der Kölner Eyeo GmbH (Adblock Plus) für rechtswidrig. Das Angebot des „Whitelisting“, bei dem sich Publisher von der Werbeblockade freikaufen könnten, wird von Springer als „erpresserisches Vorgehen“ gewertet. Das Kölner Landgericht hatte die Klage von Springer jedoch abgewiesen. Gegen das Urteil ist der Konzern in Berufung gegangen. Auch Fernsehsender wie RTL und ProSiebenSat1 sowie Zeit Online und das Handelsblatt zogen gegen den Anbieter von Adblock Plus vor Gericht.

Ein gesetzliches Verbot von Adblockern sei keine Lösung, sagte Miriam Meckel, Chefredakteurin der „Wirtschaftswoche“. Ebenso wenig der Versuch, journalistische Angebote für Nutzer von Werbeblockern zu sperren. Adblocker, die die Werbebotschaften unterbinden sollen, seien nur deshalb so erfolgreich, weil die Menschen im Netz überschwemmt würden von schlecht gemachten Anzeigen, so Meckel. Bereits jetzt nutzten 150 bis 200 Millionen Menschen Online-Werbeblocker.

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