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#Varoufake von Böhmermann : Varoufakis und der Stinkefinger: Falsches Spiel mit der Fälschung

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Jan Böhmermanns Mediensatire verfolgt eigene Interessen. Ein Kommentar von Mira Nagar.

von
erstellt am 20.Mär.2015 | 09:43 Uhr

Ja, Satire darf fast alles. Sie darf Politiker vorführen, Medien der Lächerlichkeit preisgeben und an festzementierten Meinungen rütteln. Sie darf Videos und Meldungen manipulieren und sich anschließend öffentlich beömmeln, dass ihr die ach so dumme Mainstream-Presse auf den Leim gegangen ist. Das hat der Postillon mehrfach auf brillante Weise gezeigt. Wir haben geschmunzelt, wir haben nachgedacht und sind (hoffentlich) etwas schlauer aus der kurzzeitigen Verwirrung hervorgegangen.

Es wäre denn auch eine hübsche Posse, wenn die kleine Satireshow um Spartenkasper Jan Böhmermann mit einem manipulierten Mittelfinger an der Hand des griechischen Finanzministers Varoufakis halb Europa narrt. Und die andere Hälfte mit einem satten „Hab ich’s doch gleich gewusst“-Gefühl zurücklässt.

Wäre. Denn plötzlich soll die Behauptung, dass der Mittelfinger des Anstoßes ins Video montiert wurde, wiederum Satire gewesen sein. Das stellte Böhmermann rechtzeitig vor dem Sendetermin von Neo Magazin Royale klar. Ob man ihm das jetzt glauben kann, soll an dieser Stelle zweitrangig sein. Vielleicht eröffnet er ja morgen wieder eine neue Meta-Ebene.

Ja, Böhmermann hat gezeigt, dass die Redaktionen von Günther Jauch und der „Bild“-Zeitung in diesem Fall nur oberflächlich recherchiert haben. Dass sie mit einem aus dem Zusammenhang gerissenen Video-Schnipsel versucht haben, Stimmung gegen die griechische Regierung zu machen. Medienschelte ist in der Griechenland-Debatte sicher angebracht. Doch die Arroganz, mit der Böhmermann sich breit grinsend als Marionettenspieler der Meinungen präsentiert, zeigt, dass Satire an genau dieser Stelle aufhört, lustig zu sein. An der Stelle nämlich, an der ein selbsternannter David scheinbar an Goliaths Thron rütteln will – tatsächlich aber nur an den Erfolg der eigenen Sendung denkt und dafür die Wahrheit so oft verdreht, dass man sie nicht mehr erkennt.

Eine Wahrheit steht zumindest fest: Mit seinem „Scoop“ dürfte sich Böhmermann aus dem Spartendasein herausgekämpft haben. Aber schließlich darf Satire fast alles. Auch schmerzen.

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