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Fietzes Netzwelt : #Varoufake: Was können wir noch glauben?

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Netz werden Fantasie und Wahrheit vermischt. Arbeiten Jugendliche an eigenen Projekten im Netz, stärkt dies ihre Medienkompetenz, sagt unser Kolumnist.

Da hat das Fernsehen mal wieder zugeschlagen – oder das Internet? Jedenfalls ist es großes Kino im Kopf, keiner weiß, wie’s ausgeht doch wir alle haben schon daran gewonnen: Der Mittelfinger darf auch hier nicht fehlen. Hat er ihn gezeigt oder nicht? Das Youtube-Video der linken Hand von Yanis Varoufakis, seine Präsentation in Jauchs Talkshow, die Retusche von Jan Böhmermann – besser kann es gar nicht kommen.
Was glauben wir im Netz – wie viel Manipulationen ahnen wir? Wo erkennen Kinder und Jugendliche im Netz: Hier werden Fantasie und Wahrheit wild vermischt, dort gibt es Kräfte, die bestimmte Interessen transportieren wollen? Nachrichten sind subjektiv, Youtube-Videos schon lange kein Beweis mehr, Wikipedia ist nur so gut wie seine Autoren und Leser.

Ein Video kann unsere Einstellung beeinflussen. Auch wenn wir reflektiert durch die Medienlandschaft surfen – allzu schnell sehen wir News als Fakten, selbst viralen Spaßkampagnen trauen wir noch das Quentchen Wahrheit zu. Das ZDF will bei der Sendung „Neo Magazin Royale“ jetzt dauerhaft das Wort „Satire“ einblenden.

Hach, so weit sind wir schon: Lehrerinnen und Lehrer nutzen „Plagscan“ für die Kontrolle der elektronisch zugesandten Hausaufgaben, Schüler üben die saubere Erstellung eines gut recherchierten Wikipediaeintrags, ein Jugendtreff erstellt eine Ausstellung über retouschierte Stellen in Google Earth und der Deutschunterricht untersucht die Algorhythmen von Suchmaschinen. Reality TV muss ohnehin mit der gesunden Portion Skepsis betrachtet werden, dem Web – und da hat diese Geste des griechischen Finanzministers in einem Vortrag sehr geholfen – sollten Jugendliche aufmerksam gegenüberstehen. Es geht nicht um die Aufdeckung großer Manipulationskampagnen, es geht um die „Lesekompetenz“ im Web und auf dem Smartphone. Klasse, wenn Kinder aus Games eigene Filme bauen, sich ihre eigene WebShow ausdenken oder mit Bildbearbeitungsprogrammen spielen. Das stärkt die Kompetenz, Inhalte selbst auf „Echtheit“ zu beurteilen und auf der Hut zu sein – dem Spaß am Netz tut’s keinen Abbruch: Schon jetzt gibt’s viele Collagen im Netz, der Inhalt: Mittelfinger.

> Henning Fietze ist Medienpädagoge beim Offenen Kanal in Kiel.

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