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Laut ZDF nur Satire : #Varoufake: Hat Jan Böhmermann Varoufakis den Mittelfinger verpasst?

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Medienexperten und Günther Jauch waren sich einig: Das Stinkefinger-Video ist echt. Doch dann kommt Moderator Böhmermann und behauptet, alles sei ganz anders gewesen. Ein gefakter Fake? Laut ZDF ist Varoufake Satire.

shz.de von
erstellt am 18.Mär.2015 | 23:34 Uhr

Ist der Fake nur gefakt? Auch, wenn die Aktion vielleicht doch nur Satire ist, wie der Sender am Donnerstag erklärt – nach Mittwochabend ist der ZDF-Spartenkasper in aller Munde. „Lieber Günther Jauch, liebe ARD, liebe Bild-Redaktion – Sie müssen nun ganz, ganz stark sein.“ Böhmermann, seit Kurzem mit seinem „Neo Magazin Royale“ im ZDF-Hauptprogramm zu sehen, kann sich das Grinsen schon an dieser Stelle nur schwer verkneifen. Schließlich, so behauptet er, hat er nicht nur Deutschland oder sein Lieblingsopfer, den griechischen Finanzminister Yanis Varoufakis, zum Narren gehalten, sondern sogar europaweit für eine Menge Zündstoff gesorgt.

Am Sonntagabend war Varoufakis Günther Jauchs Polittalk in der ARD als redefreudiger Gast zugeschaltet. Dann verdüsterte sich die Miene des Moderators. Jauch spielte ein Video ein, das Varoufakis im Mai 2013 bei einem Vortrag in Zagreb zeigt. Damals war Varoufakis als Wirtschaftsprofessor bei der Konferenz. In dem Youtube-Video ist zu sehen, wie Yanis Varoufakis dem deutschen Volk offenbar den Stinkefinger zeigt (im Video ab Minute 40:20 zu sehen). Entsetzen im ganzen Land – und der „böse“ Grieche? Der ist empört. „Dieses Video ist ein Fake. Das ist so montiert worden, ich habe so etwas nie gemacht.“



Am nächsten Tag diskutierte ganz Deutschland über diese vermeintlich dreiste Lüge des griechischen Finanzministers. Und die Empörung wurde weiter befeuert. Nachrichtenredaktionen beauftragten Experten, alle waren sich einig: Es gibt keine Anzeichen für eine Manipulation, alles echt. So auch die einhellige Meinung, bis das „Neo Magazin Royale“ am Mittwochabend auf Facebook die Bombe platzen ließ.


 


„Wer fakt denn sowas? Das einzige, was ich mir vorstellen kann ist, dass das eine kleine, gebührenfinanzierte Losershow war“, mutmaßt Böhmermann, inzwischen feierlich grinsend. „Und so haben wir's gemacht.“ In dem neunminütigen Videoeinspieler folgt die fröhliche Dokumentation der angeblichen Entstehung des vieldiskutierten Videoausschnitts.

Demnach sei die Idee beim Videodreh zu Böhmermanns legendärer Varoufakis-Hymne entstanden. Und so kam eins zum anderen: Fruchtbare Kontakte von Redakteurin Sanja nach Kroatien, ein unermüdlicher Mittelfinger vor dem Greenscreen und der motivierte „Visual-Effects-Supervisor“ David würfeln scheinbar in wenigen Tagen den Clip der Stunde zusammen.

Um halb drei Uhr nachts meldet sich dann Varoufakis auf Twitter selbst zu Wort – er bestätigt Böhmermanns Geschichte und verlangt eine Entschuldigung von Jauch dafür, „ein manipuliertes Video genutzt zu haben, um eine versöhnliche Stimme aus Griechenland zum Schweigen zu bringen“.

Und auch an Jan Böhmermann selbst richtet er ein Wort – und zeigt sich sportlich. „Humor, Satire und Selbstironie sind großartige Mittel gegen blinden Nationalismus. Wir Politiker brauchen das dringend!“



Auf Twitter wird eifrig kommentiert. Sagt Böhmermann die Wahrheit? Oder ist der eigentliche Fake, die Behauptung das Video verfremdet zu haben? Angesichts des enormen Zuspruchs ist diese Frage inzwischen wohl nebensächlich.



In einem knappen Gespräch mit der „Zeit“ bestätigt Böhmermann noch am Abend: „Das Video ist ein Fake. Natürlich zeigt der griechische Finanzminister öffentlich keinen Stinkefinger.“ „Spiegel Online“ wiederum will wissen: Der Mittelfinger ist echt. Das Online-Magazin zitiert ZDF Programmdirektor Norbert Himmler: „Wir sehen uns gezwungen, das ,Neo Magazin Royale' zukünftig als Satiresendung zu kennzeichnen.“ AUf Twitter schreibt der Sender:

Ein am Donnerstag von Jan Böhmermann veröffentlichtes Video-Statement lässt dies bereits durchblicken:

„Liebe Redaktion von Günther Jauch, Yanis Varoufakis hat Unrecht. Ihr habt das Video nicht gefälscht. Ihr habt einfach nur das Video aus dem Zusammenhang gerissen und nen griechischen Politiker am Stinkefinger durchs Studio gezogen, damit sich Mutti und Vati abend nach dem Tatort nochmal schön aufregen können“, schließt Böhmermann seinen Medienhack. Und vielleicht geht es ihm ja genau darum, eine unfaire Berichterstattung zu enttarnen. Ob wahr oder nicht – das Internet ist ab Mittwochabend um ein Stück Medienkritik und einen ausgiebigen Lacher reicher.

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