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Internet der Dinge : US-Geheimdienst sieht Späh-Potenzial in der vernetzten Welt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Deutliche Worte: US-Geheimdienstdirektor James Clapper formuliert öffentlich das Ausspäh-Potenzial eines vernetzten Alltags.

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2016 | 18:52 Uhr

Das vernetzte Zuhause, in dem sich Haustechnik über das Internet steuern lässt und miteinander kommuniziert, ist keine Zukunftsvision mehr. Heizungsregler, Rauchmelder, Steckdosen, Glühbirnen, Waschmaschinen, Türschlösser – alles Mögliche wird mit einem Online-Zugang versehen. Wirtschaft und Politik erhoffen sich großes Potenzial mit neuen Geschäftsmodellen. Und auch die Geheimdienste freuen sich auf neue Möglichkeiten durch das sogenannte Internet der Dinge.

Mögliche Absichten von NSA & Co formulierte US-Geheimdienstdirektor James Clapper in einem aktuellen Bericht zum Thema Cyberbedrohungen ziemlich deutlich: Künftig könnten Geheimdienste das Internet der Dinge zur Identifikation, Überwachung, Beobachtung, Lokalisierung und zur Auswahl für die Rekrutierung oder aber für den Zugang zu Netzwerken oder Anmeldedaten nutzen.

Clapper war bereits im Jahr 2013 im Zuge des NSA-Skandals in die Kritik geraten: Die Dienste erhoben die Daten der Bevölkerung „nicht wissentlich“, erklärte er damals auf die Frage des US-Senats, ob die NSA irgendwelche Daten von Millionen Amerikanern sammele.

In den aktuellen Verhandlungen der EU-Kommission um den „Safe Harbor“-Nachfolger „EU-US-Privacy Shield“ spielt Clapper eine wichtige Rolle. Es geht um die Ausformulierung neuer Regeln zum sicheren Datentransfer zwischen der EU und den USA. Im Oktober hatte der Europäische Gerichtshof (EuGH) die bestehende „Safe Harbor“-Regelung gekippt. Es sei nicht gewährleistet, dass die Daten europäischer Nutzer in den USA ausreichend vor Angriffen durch Geheimdienste geschützt seien, hieß es in der Begründung. James Clappers Behörde hatte der EU schriftlich zugesichert, dass es keine Massenüberwachung europäischer Bürger durch die USA mehr geben solle.

Wie genau das Abgreifen der Daten vonstatten gehen könnte, formulierte Clapper nicht. Möglich wäre ein Zugang durch Sicherheitslücken oder absichtlich eingebaute Hintertüren. Beim E-Mail-Programm Outlook des Software-Riesen Microsoft beispielsweise oder im Code des Betriebssystems von Firewall-Geräten des Netztechnik-Herstellers Juniper wurden in der Vergangenheit eingeschmuggelte Befehlszeilen gefunden, die als Einfallstor für einen Lauschangriff geeignet sind.

Deutschland dürfe bei zentralen Anwendungen für das intelligente Zuhause das Feld nicht Anbietern wie Apple oder Google überlassen, warnte Ingeborg Esser, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbands deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen, bereits auf der „Connected Living ConnFerence“ Ende November in Berlin. „Wir wollen die Datenhoheit in den Häusern behalten.“ Deutschland sei zum Beispiel führend, wenn es um Datenschutzlösungen gehe, sagte Wolf-Dieter Lukas, Ministerialdirektor beim Bundesministerium für Bildung und Forschung: „Die Bürger müssen selbst Herr ihrer eigenen Daten sein.“ Bei entsprechenden Lösungen habe Deutschland einen gewissen Vorsprung gegenüber den USA.

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