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Lösungen für die digitale Welt : Uni-Projekte: Forschung zum Anfassen

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Zwischen Motorroller und Operationssaal, aufgehübscht mit einem Tupfer virtuelle Realität: die Unis Kiel und Lübeck wollen Lösungen für die digitale Welt stellen – in Bereichen, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

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erstellt am 11.Sep.2015 | 19:31 Uhr

Elektro-Mobilität
Wie weit komme ich mit meinem frisch aufgeladenen Elektro-Motorroller? Und wie schnell darf ich mit meinem E-Auto fahren, um die größtmögliche Reichweite aus dem Gefährt herauszuholen? Für Fragen wie diese erarbeitet die Universität zu Lübeck ein Programm, das dem Fahrer vor und während eines Ausflugs mit einem elektrobetriebenen Fahrzeug Tipps gibt. „Die Ladezeiten für Elektromotoren sind lang“, sagt Gerhard Buntrock vom Institut für Softwaretechnik und Programmiersprachen. Da müsse man schon möglichst genau planen können, wann man wo ist. Im Rahmen des Projekts „Green Navigation“ arbeiten Studenten und Doktoranden an der Vernetzung von Elektrofahrzeugen mit ihrer Umgebung. Unter der Berücksichtigung von Einflussfaktoren wie Verkehrsdaten, Ladesäulen, Lenk- und Ruhezeiten oder spezifischer Fahrzeugeigenschaften soll eine Optimierung der Reichweite möglich werden.

Vernetzter OP
Wenn die Sony-Uhr den Pulsschlag zur Auswertung ans Smartphone mit dem Google-Betriebssystem Android übermittelt, dann ist das schon nichts Besonderes mehr. Dass aber medizinische Geräte verschiedener Hersteller untereinander Daten austauschen, steckt noch in den Kinderschuhen. „Dort müssen besonders hohe Anforderungen erfüllt werden“, weiß Buntrock. Bisher gebe es nur Komplettlösungen für integrierte Operationssysteme, die von einem einzelnen Hersteller angeboten werden. Einen gemeinsamen Standard, der die Kombination von Instrumenten verschiedener Hersteller ermöglicht, gebe es bislang nicht. „Das ist kein Zustand für die Zukunft“, sagt Buntrock. Die Herausforderungen in dem Projekt bestünden darin, die Hersteller zu gemeinsamen Standardisierungen zu bringen.

Seit Mitte 2012 arbeiten mehrere Fachbereiche der Universität Lübeck gemeinsam mit anderen Forschungsinstituten und Partnern aus der Wirtschaft an dem Projekt. Heute würden Daten lieber noch von dem einen Gerät abgelesen und dann per Hand ins Kliniksystem übertragen, weiß Buntrock. Ausschließlich auf die Technik verlassen möchte man sich scheinbar noch nicht. Dabei könnte vieles automatisch laufen. Doch dies ist nicht erlaubt. Das Problem: Sind die Produkte nicht aufeinander abgestimmt, können Fehler passieren – im schlimmsten Fall mit Folgen für den Patienten. Deshalb müsse auch jede erdenkliche Gerätekombination geprüft und offiziell zugelassen werden, erklärt Buntrock. Wichtig sei hierbei, dass die Geräte unterschiedlicher Hersteller sich in das IT-System des Betreibers integrieren lassen. „Wenn sich die Geräte an die Spezifikationen halten, dann dürfen wir vernetzen“, sagt Buntrock. Mit dem Projekt solle den Betreibern – wie Krankenhäusern – eine freie Geräteauswahl ermöglicht werden. Das spare Kosten und ermögliche auch kleineren und mittelständischen Geräteherstellern, am Markt mitzumischen.

Software zum Anfassen
Der Softwareentwickler als Architekt? Forscher der Christian-Albrechts-Universität in Kiel sehen zwischen diesen beiden eine Verbindung: „Wir nutzen die Areale im Gehirn, die für das visuelle Gedächtnis zuständig sind“, erklärt Doktorand Florian Fittkau das Projekt. Durch die räumliche Darstellung eines Programmiercodes für eine Software sei es leichter, die Schritte der Entwickler nachzuvollziehen: „Nicht immer arbeitet nur eine Person an einer Software.“ So schufen die Kieler nicht nur eine Möglichkeit, die Struktur einer Software wie ein Modell einer Stadt (Abbildung) – und so übersichtlicher – darzustellen. Sie machen das Modell durch eine VR-Brille erlebbar – per Gestensteuerung kann herangezoomt, das Modell gedreht oder gar einzelne Ablageorte geöffnet werden, um anzusehen, welche Pfade oder Codes darin abgelegt sind.

Doch nicht nur für jene, die aktiv an der Software arbeiten sollen, bietet ein solches Modell Vorteile, erläutern die Erfinder: Auch einem eher fachfremden Kunden könne so anschaulich gezeigt werden, wie seine Firmensoftware aufgebaut ist, wie sie funktioniert und wie groß der Aufwand nötiger Änderungen ist.

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