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Über die gestörte Online-Welt

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Im Jahr 2016 treffen sich Menschen, deren Internet nicht funktioniert, im Internet und reden darüber.

von
erstellt am 17.Jun.2016 | 14:42 Uhr

Als ich am vergangenen Donnerstag Zuhause ins Netz wollte, bleibt das Browserfenster weiß. Eine Fehlermeldung sagt mir: Du hast keine Internetverbindung. Diese Horrornachricht kommt 2016 gleich neben einem fast leeren Akku und einem leeren Kühlschrank. Blöd, wenn man tatsächlich gerade drauf angewiesen ist. Der Router-Neustart: erfolglos. Okay. Wird wohl ein Netzausfall sein.

Gut, dass es mobiles Internet auf dem Smartphone gibt. Schnell googele ich nach aktuellen Störungen und werde fündig. Aktuell gibt es Probleme. Ich lande bei Twitter und werde auch hier fündig. Tausende Nutzer beschweren sich im Internet bei ihrem Provider, dass sie kein Internet haben und machen ihrem Ärger Luft. Ein Nutzer bringt es auf den Punkt: „2016 treffen sich die Menschen deren Internet nicht funktioniert im Internet. Kannste dir nicht ausdenken“. Dazu der Hashtag #Störung. Und gestört ist es tatsächlich: Die Leute, die sich aufregen, sind online und sind es – so zumindest ihr Selbstverständnis – doch irgendwie nicht.

Sie pöbeln über ihre mobile Datenverbindung und wissen offenbar nichts mit sich anzufangen. Sie können nicht streamen, surfen, spielen oder arbeiten. Die Erkenntnis ist eindeutig: Das mobile Internet ist in Deutschland auch 2016 offenbar noch kein Ersatz für das Internet aus der Dose.

Weil auch ich nicht arbeiten kann, werde ich an diesem Donnerstag im Juni Zeuge und Teil eines Kollektivs, von dem ich unter normalen Umständen nichts mitbekommen hätte. Ich wäre rausgegangen oder hätte mir ein Buch genommen. Irgendwann wäre das Internet schon zurückgekommen.

So lese ich Twitter-Beiträge von Leidensgenossen, die drohen, fluchen und Witze machen. Ist schon irgendwie lustig, so ohne Internet.

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